Veröffentlicht in Uncategorized am 17. Juni 2011 von davidjoach

Das Problem der menschlichen Existenz ist die Fähigkeit zum Selbstbetrug, ja nicht nur die Fähigkeit, sondern geradezu der Zwang, sich zu belügen über die eigene Identität. Der Mensch baut sich ein Selbst- und Weltbild, das der Realität niemals entspricht. Dieses getrügte Selbstbild, eine Art gebrochenes Realitätsempfinden, speist sich aus den Quellen des gebrochenen und kranken Ichs. Unser Ich ist überhaupt nicht in der Lage, die Wahrheit über uns selbst und unsere Umgebung zu erkennen. Permanent täuscht es uns aufgrund unseres Hungers nach Geltung und Würde. Doch der Mensch hat seine Würde verloren, und er kann sie nicht mehr in sich selbst finden. Er braucht eine Instanz außerhalb seiner selbst, die ihn erlöst von seinem Zwang, sich Geltung und Wert zu verschaffen. Doch mit aller Macht wehrt er sich gegen diese Instanz und klammert sich wie ein Ertrinkender an seine fragile Existenz, getäuscht und geblendet, stinkend und frierend, ein Abbild des Jammers und Elends. Erst wenn er mit Paulus spricht: Ich elender Mensch. Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? kann seine Heilung beginnen. Diese Heilung liegt einzig und allein im Tod Christi am Kreuz, mit dem wir mitgekreuzigt werden und auferstehen durch die Taufe auf den Namen Jesu. Was bedeutet es, in seinem Namen getauft zu werden? Es ist sehr einfach. Man hat uns die Sinne verwirrt über diese Angelegenheit. Wenn ein Kind auf einen Namen getauft wird, dann trägt es fortan diesen Namen. Der Name bestimmt von nun an sein Leben, seine Existenz, wenn man so möchte, gehört der Mensch nicht mehr sich selbst, sondern diesem Namen, dem er fortan verpflichtet ist. So ist es auch, wenn wir im Namen Jesu getauft werden, was nichts anderes bedeutet, als auf den Namen Jesu getauft zu werden. Wir tragen fortan diesen Namen, nicht mehr unseren eigenen. Der alte Mensch, was wir vorher waren, ist gestorben, er hat keine Ansprüche mehr, keine Rechte, ja er existiert nominell gar nicht mehr. Alles, was noch Gültigkeit hat, ist der neue Name, auf den wir getauft sind, der Name Jesus. Von nun an leben und sterben wir Christus. Er lebt quasi durch uns, nicht mehr wir selbst leben. Damit erledigt sich in einem Moment jedes Problem, das wir noch zu haben glauben. Wir können nicht mehr verletzt werden, nicht mehr enttäuscht, nicht mehr betrogen, nicht mehr verraten, denn uns gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch Christus in uns. Alles, was das Leben in dieser Welt ausmacht, hat für uns keine Bedeutung mehr, nicht mehr Karriere, Ruf, Erfolg, Reichtum, Schönheit, Lust, auch nicht mehr Familie oder Beruf, all das existiert nicht mehr für uns, und wenn doch, dann so, als ob es nicht existiert. Wir sind ausschließlich den himmlischen Dingen verpflichtet und leben und sterben von nun an dem Herrn. Damit erübrigen sich alle Streitereien und Konflikte, sei es mit Arbeitskollegen, Freunden, Familie oder in der Gemeinde, denn es gibt niemanden mehr in uns, der Ansprüche auf irgendetwas anmelden könnte. Wir haben keinen Anspruch mehr Recht zu haben, geliebt zu werden, verstanden zu werden, belohnt zu werden. All dies hat keine Gültigkeit mehr, nur noch Christus in uns und sein Kreuzestod sind relevant. Freilich möchten dies viele Christen nicht hören. Unsere Zänkereien in den Gemeinden und Familien sind der ausreichende Beleg dafür, genauso wie unsere die eigenen Ambitionen befriedigenden Programme und Gebäude. Es ist ein elendes Zerrbild dessen, wie Christus sich seine Gemeinde gedacht hat. Und dabei führt all unser Bemühen uns nur in die Verzweiflung und die Leere. Wir sind nicht glücklich, haben vielfältige Krankheiten und Gebrechen, und sind in Sünde gebunden bis ins Alter. Weit und breit ist die Reife nicht zu sehen, die Johannes schon den jungen Männern im Glauben abfordert und zutraut, weil wir nicht ganze Sache mit Christus machen. Wir möchten das Leben mit Christus und unser Leben in die Welt, und der regelmäßige Gottesdienstbesuch widerspricht dem nicht. Aber wir erkennen nicht, dass wir Christus dabei tragisch verpassen, denn er lässt sich nur ungeteilt dienen. Wir gehören einem eifernden Gott, und können die himmlischen Segnungen nur erfahren, wenn wir alles, was das irdische Leben ausmacht, für Dreck erachten, um Christus zu gewinnen. Welch ein Angebot, welch eine Verheißung, ihn zu schauen mit aufgedecktem Angesicht, unverhüllt, der Vorhang zerrissen, der Weg ins Allerheiligste allzeit frei! Wir müssten ein Volk von Jubelnden sein allezeit, enthoben all unser irdischen Probleme und Sorgen, weil wir ihn schauen und trinken dürfen, wie die Ältesten des Volks Israel am Sinai. Doch wir trinken aus rissigen Zisternen, aus vergifteten Brunnen, deren Wasser uns Blähbäuche macht und schlechten Atem. Welch ein unwürdiges Spektakel, das wir der Welt bieten. Doch wir irren uns, wenn wir glauben, dass der Herr dies dauerhaft dulden wird. Er steht vor der Tür und ist kurz davor einzutreten und den alten Sauerteig auszukehren. Wie ein Winzer wird er kommen und dem Weinstock Gewalt antun, die unfruchtbaren Reben abschneiden, die fruchtbaren Reben ernten und den Saft der Trauben wie Blut ausgießen über das Land durch die Kelter seines Zorns. Wir dienen einem schrecklichen Gott, und schrecklich ist keine Umschreibung für herrlich oder großartig, wie uns all die verwirrten Prediger weismachen möchten. Schrecklich bedeutet schrecklich, es bedeutet, dass wir zittern vor Furcht, wenn er sich uns naht, und ihm die Autorität geben, die ihm gebührt. Anbetung heißt, sich niederzuwerfen vor ihm, wie vor einem König in der Antike, vor dem man im Staub liegt, mit dem Gesicht auf der Erde, und das ganze Leben, die ganze Existenz ist in seiner Hand, hängt ab von seinem Willen und seiner Gnade.

Veröffentlicht in Uncategorized am 9. August 2010 von davidjoach

wenn ich darniedersinke, um meine gefühle zu betrauern, erwacht mein lebenswille und ruft meinem herzen ein ahoi zu. niemand darf mich aufhalten, wenn ich entscheide, ein mensch zu bleiben, ein mensch, kein tier mit gedanken. eine hohe berufung zerstört den frieden, der sich ausbreitet, wenn wir einen pakt schließen mit unseren trieben, der animalischen gravitation, die unsere bewegung hemmt. und doch sollen wir dahingleiten, immer weiter, nach vorne streben gegen die todesgedanken unseres unterbewusstseins. im morast der verzweiflung und sinnlosigkeit erschrecken wir über den ruf eines lebendigen vogels neben uns. wer diesen schmerzenstrunk nie geschmeckt hat, ist ein glückliches säugetier, gelangweilt vom fortschreitenden verfall, der seinen lebenssaft entnimmt und den immerwährenden austausch der lebewesen gewährleistet. auszubrechen aus der tiefenillusion des weltlaufs hat schon oft den wahnsinn gebracht, verschleiert in werken der erneuerung und sinngebung für ein orientierungsloses volk. ein narr, wer geistige schranken durchschreiten und dabei intakt bleiben möchte. besser in ehrfurcht verharren vor den mauern der deutungsgewohnheiten, um nicht den abgrund zu erkennen, über dem wir schweben. neue gedanken wollen geboren werden, in der verschränkung von hunger und vergessen. keine gespielte fröhlichkeit säumt den weg des suchenden. im aufbruch nach oben lauert der tod und mein fundament verglüht in der hitze meines verlangens.

Veröffentlicht in Lyrik am 9. August 2010 von davidjoach

leben im schatten

der angst

die mein gesicht

umspielt wie durstiger

wind

das gras

verlassener gärten

zittert

im mondschein

meine Scham

verwest

im gewölk

der tiefe

Veröffentlicht in Lyrik am 7. August 2010 von davidjoach

friede der seele

ohne hast

zurück zur unschuld

heller rauch

über den schwaden der angst

südwind verweht

den schmerz und zurück bleibt

ein lied

vom neuen

tag

herzensgesänge

keine angst mehr

ein mensch bin

ich

Veröffentlicht in Uncategorized am 7. August 2010 von davidjoach

Sometimes on these special days I think back and I remember those special days when you and I were in love.

Sometimes on these special days I think back and I remember you in this chair sitting there in your living room and we talk about everything and nothing and we are and we see and we love.

Sometimes on these special days I think back and I remember your face when you were sitting there before me on this summer day you wore a white shirt you were so beautiful what a special day.

Sometimes on these special days I think back and I remember the fragrance of roses the day is light it’s good to live there is peace intimacy when you ask me to play a song those special days.

Where have they gone I look around and I see God is good he´s alive has reached my heart and the days are light.

But still I miss you where have you gone I’ve  lost my best friend one moment and my heart was fragment I cry out to understand what a special pain.

Sometimes on these special days I think back and I find I miss you still in love how can that be secrets of my soul special days a special life.

Veröffentlicht in Lyrik am 24. Juli 2010 von davidjoach

verlorene unschuld des

herzens

verpasste

jugend auf der

suche nach

wahrheit tiefer

schmerz in meiner

kindlichen seele die

in dunkle

schluchten

flieht

unberührt

in ihrer schalen

reinheit

verblühte

blumen zu spät

gepflückt

verweht

kühler

wind

reine

luft

Veröffentlicht in Uncategorized am 23. Juli 2010 von davidjoach

ein kurzer moment

der berührung

wertvoll

flüchtig

ein geheimnis

wie zwei menschen

sich erkennen

ein bisschen

und sich bereichern

in der

hungrigen

berührung ihrer

leben und

seelen

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , am 9. Juli 2010 von davidjoach

verlorene hoffnung

zerstoben im wind

der zeit

die uns erschaudern

lässt wenn wir

aufstehen um

unseren staub zu berühren

tief in

den gedärmen unserer

seele

gedanken erkalten

während wir

das flackern

unseres schicksals

erkennen

Veröffentlicht in Uncategorized am 10. Juni 2010 von davidjoach

ein volk der herzen

menschen durch und durch

meine deutsche

seele staunt und ist

ein wenig

neidisch

doch ein kleines

lächeln umspielt

auch

meine

lippen

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 4. Juni 2010 von davidjoach

stiller

schmerz reißt

löcher

der angst in

meine

seelenwände die

getünchten

wohin soll

ich gehen wenn

der abgrund

vor mir

flieht

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , am 1. Juni 2010 von davidjoach

fleischerne waben des schmerzes

von elitärer gewalt

hermetisch missbraucht

zerstörte lust taucht das land

in fahles licht der macht

abgründige kantaten

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 28. Mai 2010 von davidjoach

massiver glücksverzicht

am boulevard der unterhaltung

entstreute gedanken

rasthaftigkeit

erstickt die gefühle

im strudel der leere

kein zentrum

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

zerklüftete landschaften der seele

moränen des zweifels

krater führen hinab in die tiefe

wo mein lebenssaft entschwindet

aus den rissigen schläuchen

meiner vermauerten gefühle

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

wir marschieren im stechschritt

seid modern

ruft man uns zu

flexibilität

im verzicht der werte

zu überleben genügt

kein moralischer imperativ mehr

hirnfunktionen steuern dieses tier

ein narr wer glaubt

reich zu sein

und im abgrund der angst

vor seiner freiheit kniet

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

pariser gebete

frei sind wir

ein freies volk von mördern

babylonisches blut

in germanischen adern

grüne auen

auf hebräischen knochen

und wieder

sagt ein dämon was er tun wird

und lacht

über die völker

die zittern

vor langeweile

weil sie nichts sehen

mit ihren müden augen

ein pessimist sei ich

schon mal hat einer

gesagt was er tun wird

seinen kampf

führt nun ein anderer

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

verhungern will ich

um leichter zu werden

als mein schmerz

spät habe ich erkannt

dass ich meinen kot

nicht essen kann

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

verzweifelt allein

im sicheren abstand

zum anderen nichts

marmorne treppen

in zerfallenen gärten

ich stolpere

über meine suche

nach den blumen

meiner kindheit

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

dichter hass im system

druck reguliert den weg der macht

friede nur in den häusern

die wir nicht mehr betreten

stabile angst

zerfremdete leben

spiegelungen

die sonne

ist schon lange weg

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

das leben zu suchen

hilft auch nicht weiter

gefunden will es werden

und geachtet

doch in unseren vakuumgesellschaften

im gleichgewicht der kräfte

regiert die taubheit

geregeltes leben

gepflegte unzufriedenheit

unsere rituale

zerstören den hunger

vergebens ist es

sich aufzulehnen

und nicht zu ruhen

im frieden der anderen

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 27. Mai 2010 von davidjoach

ein leben der anpassung

an den widerstand

meiner seele

im vakuum der kräfte erneuert sich

meine identität

verloren

ist meine kindheit

ich verdampfe

meine gestalt

verliert sich im duell meiner instinkte

niemand mehr

bin ich

seelenhast

gedankendunkel

eine friedliche schuld

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 26. Mai 2010 von davidjoach

der strom ruht.

im leben, dem zentrischen, dass uns verschlingt, um uns zu gebären.

ein geheimnis ist es, wie wir dem nichts entkommen, dass uns erschaudern lässt in diesen tagen.

ein ewiger strom der zeit, wir existieren nicht.

gerufene suche, ein heiteres pfand.

nächtiger dreivierteltakt, im dienst der meister.

uns zu verlieren ist uns gegeben. in der wahrheit der kleinheiten begegnen wir uns.

ein dunkler strom.

ein fluss, das wasser trocken. wir werden nicht ertrinken.

Strom der Zeit

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 19. Mai 2010 von davidjoach

zu ruhen im strom der zeit

im gang der monate und tage

die jahreszeiten wechseln sich ab

und ich wandere durch mein leben

auf der suche

auf der suche nach meinem zentrum

wo zusammenkommt

was ich war

und bin

und sein werde

es macht mir angst

manchmal

weil ich nicht weiß

was da kommt

ich fürchte mich

mich zu verleben

und meinen Lebenssaft auszuschütten

bevor ich erkenne wozu

ich bin

da sind so viele wege

und so wenig kraft

ich bin schuldig geworden

aus hoffnung

und hunger

ein mensch

bin ich

hoffentlich

wacht er

über mir

wenn ich wüsste

dass

meine lebensgeschichte

schon geschrieben ist

könnte ich ruhen

in ihm

dem strom

dem reißenden

Bringing Jeshua back to the world

Veröffentlicht in Gedanken zu Gottes Reich und seiner Gemeinde mit den Tags , , , , am 7. Februar 2010 von davidjoach

Jeshua is the light of the world. In Him and Him alone every human being can find forgiveness of sin and peace with G’d.

But there has been a long-time deception, a darkening of the truth about who Jeshua really is.  When christendom constituted as a religion, the Jewishness of the gospel was terminated. This did not happen by accident but by satanic purpose. It was his attempt to occult the wits of all humanity and especially the christians and thus make unknown the special relationship of G’d to his people.

But G’d is on the move. He restores every single letter of His truths. This concerns the clarification of christian doctrine with any kind of pagan contamination like the performance of easter or christmas with its demonic customs and semantics and coincidentally the re-revelation of divine principles regarding for example the efficacy of the torah and the function and beauty of the shabbat and the biblical feasts but also the role of the Jewish people for the forthbringing of  G’ds final purposes and the return of the Messiah.

There are times of great despair to come. Demonic presence will be stronger than ever before and everyone who is not sealed with the Holy Spirit and based on His truths will be in great danger of being deceited and seriously damaged. Security will only be in Jeshua, and the closer we turn to His truth and submit to his authority the safer we will be. The core of G’ds work in present times is the restoration of His truths and the sanctification of His bride. When the gospel will have been preached to every tribe and tongue the Jewish people will as a whole discern and accept Jeshua as their messiah. Meanwhile satan will establish a global regime in which his laws will be efficient, the new world order. After a short-term cooperation Israel will be the only nation to resist this new world-order. Then Israel will be the only safe place for every follower of the lamb.  Finally all nations will operate a conjoint war against Israel and the Messiah himself  as the Lord of Hosts will defend Israel and establish his ever-reigning physical kingdom on this earth after the creation of a new earth which means the physical cleansing and restoration of the planet from the damage caused by nuclear weapons. Then Jerusalem will be the world capitol and earthly center of G’ds presence.

So let us draw close to Him and hasten His return preaching the true and original gospel to every human soul, and the Jews first. Hallel-u-jah!

Versuch über den Schmerz

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , , am 16. Oktober 2009 von davidjoach

Schmerz macht uns wach. Gewohnheit schläfert ein. Unsere Gesellschaft versucht uns zu konformen Gliedern zu machen. Wir sollen arbeiten, essen, schlafen, konsumieren. So werden viele unterschiedliche Intentionen und Bestrebungen zu einem harmonischen Strom von Handlungen geformt. Diesen Zwängen freiwillig zuzustimmen nennt man Reife. Es ist das, was von Erwachsenen gefordert wird, und als Belohnung wird Glück versprochen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wer einmal Teil dieser Erwachsenenwelt geworden ist, erschlafft innerlich, er hört auf nach Höherem zu streben und prostituiert sich für die Ziele, die man ihm als seine eigenen untergejubelt hat.

Doch es gibt auch die, die sich verweigern, die festhalten an ihrem inneren Kind, die sich weigern groß zu werden. Wenn sie genug Talent haben, können sie Künstler werden, die stellvertretend für den Rest der Gesellschaft nach Authentizität und Unwillkürlichkeit streben. Dafür werden sie vom Rest entlohnt, doch nur, wenn sie diesem Kompromiss nicht zu brutal widersprechen. Die Gesellschaft möchte sich bestätigt fühlen. Der Künstler soll ihr vermitteln, dass es nötig ist, nach Höherem zu streben, aber nicht für die breite Masse, den Durchschnittsbürger. Dadurch wird sie entlastet, indem letztendlich eine Arbeitsteilung stattfindet. Der Bürger verdrängt seine eigenen Leidenschaften und Urängste, erwirtschaftet sein Auskommen, und mit einem kleinen Teil dieses Auskommens bezahlt er dafür, ein Teil des Prozesses eines anderen zu werden, der die Fragen stellt, die zu stellen er selbst nicht wagt und doch nur selbst stellen könnte. Wenn der Künstler diesem Kompromiss zustimmt, bestätigt er die Gesellschaftsordnung, die seine eigene Suche nach Erkenntnis unterminiert, weil sie die Antwort mit der Frage vertauscht, um am Ende ganz zu verstummen.

In dieser Erwachsenenwelt ist alles darauf angelegt, Schmerz zu vermeiden. Wer einmal sein sicheres Auskommen gefunden hat, gewöhnt sich schnell an seine kleinen Freuden.  Der Rotwein am Abend wird dann zum schalen Ritual der Selbstbeweihräucherung, fern von wirklichem Genuss und doch wichtig für das Selbstbild. Sich und andere spüren zu lassen, dass man etwas geschafft hat, wird dann immer anstrengender, doch all die Qual muss sich schließlich gelohnt haben, die Mühen des Studiums, die Entbehrungen der ersten Karriereschritte. All das hat man geschafft, weil man so fleißig war, weil man härter gearbeitet hat als die anderen. Nun ist es Zeit für die Belohung, und diese führt zur Betäubung, Tag für Tag.

Doch nur der Schmerz zeigt uns, wer wir sind und führt uns den Weg zur Wahrheit. Wir müssen um unser Leben kämpfen, um zu uns selbst zu finden, und manchmal müssen wir gewaltsam abschneiden, was uns zu leicht sättigt, was uns Inhalt zu geben verspricht und doch nicht erfüllt. Wir sind nicht unser Tun. Diese Wahrheit ist so trivial und doch so schwer zu begreifen. Wir müssen uns völlig von uns selbst entäußern, um geboren zu werden. Nichts an uns darf uns etwas wert sein, nicht unsere Erkenntnis, aber auch nicht unser Verzicht darauf, nicht der Gehorsam oder der Mut zur Rebellion, nicht die Bescheidenheit oder das Selbstbewusstsein. Wann immer wir glauben, durch unser eigenes Tun näher ans Licht zu kommen, geraten wir in tiefe Verwirrung und verstricken uns in Täuschung und Selbstbetrug. Diese Täuschung kann auch eintreten, wenn wir eifrig für unser persönliches Glaubenssystem kämpfen. Wir glauben, auf unseren eigenen Weg zu verzichten und einen Höheren zu gehen, und schon machen wir den Weg zu unserem Eigenen, zu unserer Leistung und verpassen den Kern. So können wir glauben, Gott zu dienen und dienen doch nur uns selbst, oder einer Gruppe von Menschen, oder einem System von Lehren. Nur wirkliche Erlösung kann uns befreien, Erlösung von unserer Sicherheit und Selbstzufriedenheit. Wir müssen in den Abgrund schauen, freiwillig und ausdauernd, immer wieder an die Klippe treten und versuchen, auf den Grund zu blicken. Das ist gefährlich, und manch einer zerschellt an den Felsen. Aber viel schlimmer ist es, das Meer nie zu sehen und die zu verhöhnen, die es suchen. Dieser Mensch ist wirklich verloren, und weiß es nicht.

Schmerz ist Hunger, Hunger nach Erlösung, nach dem Absoluten, nach der vollkommenen Transzendenz. Der Hunger wird zum Verlangen, wenn wir zulassen, dass er unseren Alltag durcheinander bringt, uns aufrüttelt und unsere Selbstgewissheit zertrümmert. Wenn unser Verlangen uns durchströmt wie klares Wasser, spült es den Staub unserer Gewohnheiten und Kompromisse hinweg, unserer falschen Gewissheiten und Halbwahrheiten. Dann erwachen unsere Sinne und wir erkennen, dass wir Menschen sind, Menschen, die zu Höherem berufen sind, Menschen mit einer Ahnung der Ewigkeit. „Auferstehen, ja auferstehen wirst du mein Staub nach kurzer Ruh! Unsterblich Leben! Unsterblich Leben wird, der dich rief, dir geben.“ So schreibt Klopstock, so vertont es Mahler. „Wieder aufzublühn, wirst du gesät! Der Herr der Ernte geht und sammelt Garben  uns ein, die starben!“ Wann immer wir einen Lebenshauch empfangen, wird unser Schmerz klarer und tiefer, weil wir spüren, dass wir nicht in unserer Bestimmung leben. Die Welt ist im Argen, der Mensch tief entfremdet von seinem Ursprung und Gott schweigt. Er schweigt. Ich höre den Widerspruch derer, die sicher sind, dass er spricht. Doch ist es wirklich seine Stimme? Ist es nicht vielmehr unsere Stimme? Erzeugen wir unsere Gotteserfahrungen nicht häufig selbst, getrieben von unseren Wünschen und Vorstellungen über ihn? Ich sage nicht, dass er uns nicht begegnen kann und will, doch ich möchte sicher sein, dass er es ist, der zu mir spricht, nicht ein Produkt meiner religiösen Sozialisation. Ein tiefes erfurchtgebietendes Schweigen Gottes gibt mir mehr Kraft als ein nicht endender Strom menschlicher Erkenntnisse und Ermahnungen. Vor ihm zu stehen und zu wissen, dass er regiert, viel tiefer und unermesslicher als ich es erfassen kann, genügt mir. Er ist der Weltenlenker und hat mich nicht vergessen. Sein Logos durchdringt das All. Er ist die stärkste Kraft, die zentrale Gewalt, von der alles ausgeht und auf die alles zurückgeführt werden wird, die Zentralität aller Elemente.

Schmerz ist Natur, weil er auf eine Welt verweist, die ohne Schmerz war. Die Schöpfer der großen Kosmogonien haben dies gewusst, Lewis, Tolkien, Milton, Bunyan. Sie haben das beständige Ringen der Gewalten gekannt, dass im Kleinen auch unseren Alltag bestimmt, und sie konnten den Sinn zum Ausdruck bringen, der in diesen schmerzhaften Prozessen geboren wird. Es geht um unsere Menschlichkeit, fern von aller Funktionalität, in seiner ursprünglichsten Form. Wir werden zurückgeworfen auf unsere Ursprünge, wenn wir anfangen, unserer Angst zuzuhören, der Angst vor der Welt da draußen, vor den Gewalten, die wir niemals beherrschen können, der Angst, die wir aufgesogen und gespeichert haben beim Verlassen des Mutterleibes. Wenn wir dieser Stimme in uns wieder beginnen Glauben zu schenken, haben wir den ersten Schritt getan, unsere psychologische Anpassung an unsere moderne Welt zu durchbrechen.

V.

Veröffentlicht in Das Tal mit den Tags am 22. September 2009 von davidjoach

Als er erwachte, war ihm, als höre er ein leises Geräusch vor seiner Hütte, wie ein Knirschen. Der Mond schien, wie lang hatte er geschlafen? Einige Wolkenfetzen warfen Schatten von dem Mondlicht zu seinem Schlafplatz. Er setzte sich auf und horchte. Ein Knirschen, oder auch leichtes Klirren, als ob Metall an Metall reibt. Mühsam stand er auf und trat vor die Tür. Nichts, er konnte nichts erkennen, zumindest nichts ungewöhnliches. Er sah zu den Blumentöpfen und zum Beet, das er angelegt hatte, auf der anderen Seite des Vorplatzes stand der  Wasserkanister, mit dem er zum Brunnen ging. Alles war wie immer. Warum war er erwacht? Ruhig stand er da und genoss die kühle Nachtluft. Wie schön es hier draußen war. Alles war beieinander, gehörte zusammen. Nie mehr könnte er in der Stadt leben, die Abgase, der Dreck, der Lärm, und viel schlimmer, all die Menschen, stupide,  verblödet von ihrem täglichen Haschen nach dem Wind des beruflichen Erfolgs und gesellschaftlichen Aufstiegs.  Die Menschen hatten sich weit von sich selbst entfernt, wie Geister hasteten sie nur noch durch ihre überbevölkerten Städte, um sich gegenseitig aufzufressen. Wie es ihn anwiderte. Aber es erbarmte ihn auch, er wusste, wie es ist, getrieben zu sein, an die Spielregeln zu glauben, die einem aufgezwungen wurden, eingeimpft schon im Kindergarten. Eine fehlgeleitete Herde von Menschenkindern. John war in Gedanken versunken, als er es wieder hörte, ein metallenes Klirren, leise nur, aber deutlich. Es kam aus der Richtung des Tals. Nun wurde er ein wenig nervös. Nachts war ihm die Gegend unheimlich, er fühlte sich unbehaglich in dem menschenleeren Gebiet. Er entschied, sich wieder schlafen zu legen. Sicher war alles in Ordnung. So ging er wieder zu Bett, aber wälzte sich noch eine ganze Weile unruhig hin und her.

Am nächsten Morgen erschien ihm alles wie ein Traum. Fröhlich stand er auf und bereitete sich auf den Tag vor. Die Sonne schien, der Himmel war klar. Heute würde er auf den Markt gehen und einige Erledigungen machen. Als er gefrühstückt hatte, ein wenig Brot mit Butter und einem Stück Käse, machte er sich auf den Weg. Am Markt angekommen, kaufte er Milch, etwas Schinken und etwas Spiritus für Reinigungsarbeiten. Sein Schergeschirr war so schmutzig, er wollte es mal gründlich überarbeiten. Als er am Stand eines benachbarten Bauern vorbeikam, hörte er einige alte Männer tuscheln, schrecklich, sagten sie, wie konnte so etwas nur geschehen. Und: gruslig. Was machen wir nur? Auf seine Nachfrage berichtete man ihm, ein Kalb sei abhanden gekommen und heute morgen im Tal gefunden worden, ganz schrecklich zugerichtet. Niemand könne sich das erklären, ob er nichts gehört habe, er wohne doch am Rand des Tals? Nein, natürlich nicht. Er habe einen tiefen Schlaf. Schweigsam machte John sich auf den Heimweg, und erst als er bei seinen Schafen war, fiel die Unruhe langsam von ihm ab. Doch ein beklemmendes Gefühl blieb. Natürlich hatte er etwas gehört, und nun wusste er auch, was es war.

Fester Grund

Veröffentlicht in Kurze Prosa, Mein langer Weg ins Licht - Bekenntnis und Zeugnis mit den Tags , am 17. August 2009 von davidjoach

Ich brauche einen Boden, auf dem ich laufen kann. Mir fehlt der Halt. Es mag so aussehen, als ob ich auf festem Grund stehe, aber ich höre das Knirschen des Eises unter meinen Füßen und weiß, es kann jederzeit brechen. Der Boden unter meinen Füßen ist nicht fest. Jeden Tag muss ich neu entscheiden weiterzulaufen, als ob ich einen festen Grund hätte. Und dann kann ich auf dem Eis gehen, immer ein paar Schritte, und wieder ein paar, aber unter mir ist es brüchig, und ich spüre, wie ich falle, immer tiefer, die Welt um mich herum verschwindet, alles wird still. Es tut weh. Ich habe Durst und finde die Quelle nicht mehr. Ich bin gestrandet, schon vor langer Zeit. Es fühlt sich an, als ob ich falsch abgebogen wäre und nun irgendwo im Morast feststecke.

Herr, wohin sollen wir denn gehen, nur du, Herr, hast Worte des Lebens!

Lebenshauch

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , , , am 15. August 2009 von davidjoach

Den leisen Hauch des Lebens spüren

Nicht sich selbst bekämpfen sondern wissen

es ist okay

in allem Schmerz es ist okay

allein zu sein

wenn ich vor mir selbst bestehen kann

so sage ich ja

und wähle das Leben

mein Leben

meinen Weg

mit Tränen gewiss

aber dennoch mein Weg

besser als lachend auf Pfaden

die nicht die meinen

und mich vergessen lassen

wer ich bin und wozu

und dennoch

ich bin so hungrig

Neue Wege II

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , am 15. August 2009 von davidjoach

Das Leben ist eine Abfolge von Entscheidungen. Wenn wir die Entscheidungen nicht treffen, blockieren sie unseren Weg. Dies kann ein ganzes Leben lang geschehen. Unser Weg wird nicht von allein frei, wir müssen die Steine oder auch Felsbrocken immer wieder beiseite räumen, die auf unseren Weg fallen, wenn sie sich lösen von den Klüften der Vergangenheit, der Sünde, der Zerbrochenheit in und um uns. Das ist schmerzhaft. Wir würden lieber auf einer Autobahn fahren, aber wir wandern mitunter auf einsamen Gebirgswegen. Wenn uns dann das Licht abhanden kommt, müssen wir uns entscheiden weiterzugehen, auf die Gefahr hin abzustürzen und zu sterben, denn wir wissen nicht, ob es noch einmal heller wird. Wenn wir dann sterben, so bleibt uns doch die Gewissheit, bis zum Ende unseren Weg gegangen zu sein. Und vielleicht sterben wir gar nicht, sondern gelangen an lichte Pfade, wo ein sanfter Wind weht und wir plötzlich wissen, dass es gut war weiterzugehen. Freilich können wir solche Wege nur allein gehen. Niemand kann uns dabei helfen. Aber wir können uns wieder treffen, wenn die Dunkelheit gewichen und ein neuer Tag angebrochen ist. Dann erheben wir uns wie die Adler und schreien, Schreie des Triumphes, der Kraft, der Lebensgewissheit inmitten des Todes.

IV.

Veröffentlicht in Das Tal mit den Tags am 14. August 2009 von davidjoach

John pflegte einen sehr geregelten Lebensstil. In seinem früheren Leben war er Banker gewesen. Er hatte viel gearbeitet, viel verdient und dabei irgendwann sich selbst vergessen. Nach einigen falschen Spekulationen, einer Affäre, der sich anschließenden schmutzigen Scheidung und seiner Ausbootung im Geschäft wollte er sich umbringen. Er erwachte im Krankenwagen, man hatte ihn rechtzeitig gefunden, oder die Dosis der Tabletten war zu wenig, wie man es nimmt. Im Krankenhaus beschloss er, diese Gesellschaft zu verlassen, neu anzufangen. So verkaufte er seine Habseligkeiten, fuhr in die Berge und fand dieses Tal.

Als er es das erstemal betrat, wurde alles still um ihn. Es war, als ob die Erde aufhörte sich um die Sonne zu drehen, alles blieb stehen. Die Vögel schwiegen, der Wind hielt an. Wie von einer Explosion wurde er überwältigt von Frieden, und die Tränen, in die er ausbrach, schwemmten all die Giftsstoffe aus ihm heraus, die sich in ihm angesammelt hatten, all den Druck, die Lügen, den Egoismus. Er hatte sich hart gemacht, war mitgeschwommen in dem Strom der Verzweifelten, die versuchten, ihr Leben zu retten, zu gewinnen in diesem aussichtslosen Kampf. Alles war wie fortgeblasen, er stand einfach nur da, atmete, lebte.

Da wusste er, dass er hier nicht mehr weggehen würde. Im Dorf fand er eine leerstehende Hütte, konnte von seinem Geld auch noch einige Schafe kaufen und hatte immer noch genug übrig, um sich sicher zu fühlen. Nun kehrte er zurück zu einem geregelten Leben. In seinem Beruf hatte er nicht mehr regelmäßig geschlafen, gegessen, kein Sozialleben geführt, er stand immer unter Strom. Und wenn er dann doch mal allein war, brach die Stille über ihn herein wie ein Fluch, vor dem er fliehen musste. Nun schlief er, aß und gesundete. Und er trank die Stille, er saugte sie in sich auf wie eine Verheißung, ein Lebenselixier. Er wurde wieder er selbst, wurde wieder ein Kind. Er erkannte, in welch tiefer Resignation er gelebt hatte, fern von allem, was lebendig macht, abgetrennt vom Menschsein. Er war froh, dem Tod entkommen zu sein. Und auch wenn er oft einsam war und seine Wunden nicht so schnell heilen konnten, war er doch ruhig. Er begann zu erkennen, welch ein Privileg es war zu leben. Und darüber fand er seinen Glauben wieder, seinen Gott. Die tägliche Berührung mit dem Boden und die Verantwortung für einige Geschöpfe machten etwas in ihm wieder ganz, als ob sein Inneres wieder in die richtige Struktur kam, zurechtgerückt wurde. Es war erstaunlich, er erkannte, wie weit er sich entfernt hatte von sich selbst und vom Menschsein. Erst als er alles verloren hatte, konnte er lebendig werden. Und er dankte Gott dafür, abends, bei Kerzenschein, wenn er vor seinem alten einfachen Holzkreuz betete. Er machte nicht viele Worte, aber er legte sein Leben und Sein in die Hand des Mannes am Kreuz. Und Gottes Licht erfüllte seine Hütte.

Desire

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , , am 13. August 2009 von davidjoach

Zu spüren dass mir etwas fehlt.

Ein Leben in mir, das noch nicht da ist.

Meine Armut macht mich reich.

Verlangen treibt mich.

Mein Begehren werde ich schmecken.

Morgengebet

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , , , , am 13. August 2009 von davidjoach

Niemand  knetet uns wieder aus Erde und Lehm,

niemand bespricht unsern Staub.

Niemand.


Gelobt seist du, Niemand.

Dir zulieb wollen

wir blühn.

Dir

entgegen.


Ein Nichts

waren wir, sind wir, werden

wir bleiben, blühend:

die Nichts-, die

Niemandsrose.


Mit dem Griffel seelenhell,

dem Staubfaden himmelswüst,

der Krone rot

vom Purpurwort, das wir sangen

über, o über

dem Dorn.


Paul Celan, Psalm


Des Weltalls Herr! Du hast regiert von Urbeginn an, als noch tief

In traumumfangner Dämmernacht das unerweckte Dasein schlief.

Da scholl dein heilges Schöpferwort, und aus dem rätseldunklen Nichts,

Gehorchend deinem Werderuf, stieg leuchtend auf das Reich des Lichts.

Und würde einst in Nichts zurück versinken aller Welten Pracht,

So würdest du allein bestehen in unbegreiflich hoher Macht.

Du bist es, wohin sich alles Sein wie in ein ewges Meer ergießt. Du warst

du bist und du wirst sein. Ein heiliger Erlöser lebt!

Drum zag ich nicht und bin getrost, wenn bang in mir die Seele bebt.

In deine Vaterhand vertrau mein Leben ich bei Tag und Nacht.Gott ist

mein Banner, Gott mein Fels! Ich fürchte nichts: Mein Helfer wacht!


Auszug aus Adon Olam, Hymne im Morgengebet

Ein gemeinsamer Weg

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , , am 12. August 2009 von davidjoach

Ich bin berührt von der Offenheit einer mir Fremden. Es gibt eine Gemeinschaft von Suchenden, wir gehen unseren Weg nicht allein.

Nach meinen letzten Beiträgen habe ich das Bedürfnis, einen Würdigeren zu Wort kommen zu lassen:

Vom Zuviel war die Rede, vom

Zuwenig. Von Du

und Aber-Du, von der Trübung durch Helles, von

Jüdischem, von

deinem Gott.


Da-

von.

Am Tag einer Himmelfahrt, das

Münster stand drüben, es kam

mit einigem Gold übers Wasser.


Von deinem Gott war die Rede, ich sprach

gegen ihn, ich

ließ das Herz, das ich hatte,

hoffen:

auf

sein höchstes, umröcheltes, sein

haderndes Wort -


Dein Aug sah mir zu, sah hinweg,

dein Mund

sprach sich dem Aug zu, ich hörte:


Wir

wissen ja nicht, weißt du,

wir

wissen ja nicht,

was

gilt.


Paul Celan

Die Schönheit des Gesetzes

Veröffentlicht in Gedanken zu Gottes Reich und seiner Gemeinde mit den Tags , , , , am 11. August 2009 von davidjoach

Schon länger hatte ich vor, etwas über dieses Thema zu schreiben, bin dann aber davor zurückgeschreckt, weil es dazu viele Aspekte gibt, die einer sorgfältigen, auch theologischen Bearbeitung bedürften.

Diesen Anspruch möchte ich daher bewusst ausschließen (wie für alle meine Beiträge auf diesem Blog) und stattdessen einige eher spontane Gedanken äußern, die mir aber persönlich wichtig sind und vielleicht dennoch für den einen oder anderen interessant und hilfreich.

Das Gesetz – allein der Klang dieses Wortes löst oft unangenehme Empfindungen aus. Wir denken an Strenge, Kälte, Unbarmherzigkeit, im Rahmen unseres Glaubens auch an Veraltetes, Verstaubtes, irgendwie Überkommenes. Wer als Christ dem Gesetz Bedeutung beimisst, hat die Erlösung nicht verstanden, die Gnade. Ist Christus nicht gekommen, um uns von dem Gesetz zu befreien?

Ich glaube, dass in diesem Bereich viel Verwirrung herrscht, und diese Verwirrung ist eine Ursache für unsere Schwäche als Kirche Christi, und sie ist Ausdruck unserer geistlichen Armut.

Man hat uns das Gesetz geraubt, wir wurden bestohlen. Nicht Christus hat uns von dem Gesetz befreit, sondern die Theologen und Machthaber, die uns – und hier kann ich mich auf meinen letzten Beitrag beziehen – von unseren jüdischen Wurzeln entfremdet haben und diese durch viele heidnische Symbole, Riten und Feiertage ersetzt haben.

Wer das Alte Testament, insbesondere die Fünf Bücher Mose, den Pentateuch, ernsthaft studiert, erkennt, dass die wertvollste Gabe, die Gott seinem auserwählten Bundesvolk Israel gibt, das Gesetz ist. Unter allen Völkern der Erde hat er Israel erwählt und ihm seine persönliche Weisung gegeben, seine Thora. Welch ein Vorrecht, welch ein Privileg! Nicht Schikane ist es, Strafe, sondern Erwählung, Segen. Und dementsprechend wird das Gesetz auch von Gott beschrieben: Es ist heilig, vollkommen, Ausdruck der Majestät Gottes, Ausdruck seiner Vollkommenheit und Autorität.

Wenn wir begreifen, dass Gott der Gleiche ist gestern, heute und in Ewigkeit, dass er sich niemals ändern kann, dann erkennen wir, dass es vollkommen undenkbar ist, dass Gott dieses Gesetz, dass heilig und gut ist, Ausdruck seines Herzens, in einem späteren Kapitel seiner Heilsgeschichte einfach für ungültig erklärt. Dies widerspräche seinem zentralen Wesen, er würde sich Lügen strafen, sich selbst relativieren, und das kann er nicht.

Ein Blick in die physische Welt genügt, um uns dies zu verdeutlichen. Alles funktioniert aufgrund von Gesetzen. Die Naturgesetze stellen sicher, dass wir existieren. Wenn ein Gesetz aufgehoben würde, würde alles in sich zusammenfallen. Alles ist bis ins Kleinste geregelt, jedes Detail aufeinander abgestimmt.

So ist es auch mit Gottes Gesetzen. Sie sind Ausdruck seines Wesens und spiegeln ewige Wahrheiten wieder. Plato lag nicht so falsch mit seiner Annahme, dass das, was wir wahrnehmen, nur Abbilder der wirklichen Dinge sind. Die Stiftshütte beispielsweise ist nach dem Vorbild der himmlischen Stiftshütte konstruiert, sie ist ein Abbild.

Aber was hat Christus dann getan? Wir müssen die Begrifflichkeiten klären: Er hat uns vom Gesetz befreit, aber nicht von Gottes Gesetz, sondern vom Gesetz der Sünde in uns. Dieser Zwang, das Falsche zu tun, gegen Gottes Willen und unsere Bestimmung zu handeln und uns damit zu zerstören, wurde von ihm durchbrochen am Kreuz. Dadurch wurden wir befreit, aber nicht zur Willkür, sondern zum Gehorsam. Wir sind nun frei, das Richtige zu tun. Und über dieses Richtige gibt uns sein Gesetz Aufschluss. Nur so ist zu verstehen, dass Jesus in der Bergpredigt sagt, er ist nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen. Und er droht all jenen, die die Auflösung des Gesetzes predigen. Viele Bibellehrer werden in dieser Hinsicht Schwierigkeiten bekommen.

Will ich damit sagen, dass wir das alttestamentliche Gesetz halten müssen? Nein. Darüber haben die Apostel in ihrem ersten Konzil beraten und entschieden, einen Unterschied zwischen Judenchristen und Heidenchristen zu machen. Aber die Tatsache, dass sie auch den Heidenchristen nicht alle Gebote erlassen haben, zeigt die Komplexität des Themas. In welcher Gemeinde wird gepredigt, dass wir uns von Blut und Ersticktem enthalten müssen? Und doch ist dies eine eindeutige Neutestamentliche Weisung.

Christus hat das Gesetz für uns erfüllt, weil wir nicht in der Lage sind, es zu halten. Dadurch hat das Gesetz keine heilsgeschichtliche Wirkung mehr, es trägt nicht zu unserer Erlösung bei. Diese kommt allein durch Christi Erlösungswerk. Aber der Punkt ist – und hier ist die Gemeinde weit abgewichen – wenn das Gesetz ursprünglich gut und vollkommen war, dann ist es dies auch nach Christi Erlösungswerk noch, und dann sind wir auch als Christen aus den Nationen gut beraten, uns damit zu  befassen und zu versuchen zu verstehen, was Gott uns dadurch sagen will und wo es in unserem Leben von praktischer Bedeutung sein kann.

Und ganz zu schweigen von dem persönlichen Segen, den wir dadurch erfahren würden, hätte dies den Nebeneffekt, dass wir unseren jüdischen Geschwistern etwas näher kommen könnten und nicht nur sie, sondern auch unsere muslimischen Freunde etwas weniger Abscheu vor unseren heidnischen Bräuchen haben müssten.

Wenn wir der Menschheit dadurch den Weg zu ihrem Erlöser etwas deutlicher machen können, sind wir unserer Berufung wieder ein Stück näher gekommen.

Grundlagen einer zweiten Reformation – Überarbeitete Version

Veröffentlicht in Gedanken zu Gottes Reich und seiner Gemeinde mit den Tags , , am 22. Juli 2009 von davidjoach

Als Gemeinde Jesu haben wir eine große Schuld auf uns geladen, als wir uns von unseren jüdischen Wurzeln abgespalten und unsere jüdischen Geschwister ausgeschlossen haben. Dadurch haben wir uns unter eine Decke der Finsternis begeben und den Heiligen Geist betrübt und können den Segen nicht empfangen, den Gott für uns hat.

Das jüdische Volk hat seinerseits Schuld auf sich geladen, als es durch die Erfindung der Häresie als dogmatischer Kategorie die Strömungen, die der neuen Lehre nahestanden, mundtot machte und die jüdischen Geschwister ausschloss, die an Jeschua als ihren Messias glaubten. Indem sie mit Sünde auf Sünde reagierten, haben sie sich ihrerseits unter Dunkelheit gebracht

Die Folgen dieser Entscheidungen sind bis heute wirksam in Form einer tiefen Trennung zwischen Christentum und Judentum, die soweit geht, dass viele sich dessen nicht mehr bewusst sind, dass Christentum und rabbinisches Judentum religionsgeschichtlich betrachtet Zwillinge sind.

Römer 11
17 Wenn aber nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden und du, der du ein wilder Ölzweig warst, in den Ölbaum eingepfropft worden bist und teilbekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, 18 so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich. 19 Nun sprichst du: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 20 Ganz recht! Sie wurden ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst fest durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! 21 Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er dich doch wohl auch nicht verschonen. 22 Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden. 23 Jene aber, sofern sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott kann sie wieder einpfropfen. 24 Denn wenn du aus dem Ölbaum, der von Natur wild war, abgehauen und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wie viel mehr werden die natürlichen Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum.

Die größere Schuld trifft uns als Gemeinde. Wir hätten es besser wissen müssen. Für uns hat Gott es zugelassen, dass die Juden  – sein auserwähltes Volk – in Verblendung gerieten, um die Nationen in seinen Bund aufnehmen zu können. Umso deutlicher wird dadurch, dass es keine Erklärung und Legitimation gab und gibt für das Verhalten der Gemeinde, „judaisierende“ Geschwister auszuschließen und die biblischen Feste und den Schabbat zu verwerfen und seine Befolgung sogar unter der Strafe der Exkommunikation zu verbieten.

Es gibt daher für alle Anhänger Jesu nur einen Weg: Wir müssen Buße tun dafür, dass wir uns gegen seine Ordnungen und seinen Bund gewendet haben. Wenn unsere Buße echt ist, müssen wir zurückkehren zu den Ordnungen der Thora, zu den biblischen Festen, zum Schabbat, der von Gott nie aufgelöst wurde, und auch zu den Weisungen des ersten apostolischen Konzils hinsichtlich des Verhältnisses der Heiden zum jüdischen Gesetz.

Darüberhinaus müssen wir Buße tun gegenüber allen Juden für all das Unrecht, das an ihnen geschehen ist und bis heute geschieht. Wir müssen uns in Demut verbeugen und unserem älteren Bruder die Füße küssen. Erst dann können wir auch wieder mit geistlicher Autorität dem jüdischen Volk verkünden, dass ihr Messias bereits gekommen ist, dass er zurückkommen wird und dass er ihnen ihre Schuld vergibt.

Auf einer tieferen Ebene bedeutet dies, dass wir alles rückgängig machen müssen, was uns zu einer Religion gemacht hat, denn die Krankheit, die zum Ausschluss der Juden geführt hat, spiegelt sich genauso in unserem Umgang mit der sogenannten Welt wieder, wo auch Trennungen eingeführt wurden, ein “Wir” und “Sie”. Die Folge ist, dass viele Christen in ihrer eigenen kleinen und “gesegneten” Welt leben, in der sie keine Berührung mehr mit den wirklichen Problemen derer haben, die Gott noch nicht kennen.

Unsere konfessionellen Trennungen sind ein Ausdruck dieses Geistes, der aber nicht Gottes Geist ist:

Eph 4,4 Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung!

Erst wenn wir wieder zu einer Stimme gefunden haben, können wir uns gegen unsere eigentlichen Feinde wenden, die Feinde Gottes, die für eine neue Weltordnung arbeiten, in der die Gesetze Gottes nicht mehr gelten. Dafür müssen wir lernen, in der Einheit des Geistes strategisch vorzugehen. Wir müssen unter allen Umständen und in jedem Moment Wahrheit sprechen und uns alle miteinander dem Ziel unterwerfen, die ganze Wahrheit der Schrift zu erkennen.

Eine solche Bewegung käme einer zweiten Reformation gleich, in der zentrale Wahrheiten wieder für die Gemeinde zurückerobert werden. Vorher kann es keine Erweckung geben.

III.

Veröffentlicht in Das Tal am 22. Juli 2009 von davidjoach

„Natürlich verstehe ich, dass es viele Bewerber für das Studium der Rechtswissenschaften an dieser elitären Universität gibt. Aber sie müssen mir einfach glauben, dass ich gar keine andere Bildungsstätte für meine Ausbildung wählen kann als -“ „Es tut mir leid, aber ich kann Ihnen wirklich nicht helfen, Herr – Wie war Ihr Name?“ „Miller. Miller, John.“ „Herr Miller, wie gesagt, dass ganze Land drängt auf diese Ausbildungsstätte, wir setzen in der juristischen Ausbildung den europäischen Standard, gemeinsam mit Partneruniversitäten aus London und Paris. Ich habe keine Möglichkeit, ihrem Antrag auf Zulassung zu entsprechen.“ Ein unangenehmes Gefühl beschleicht mich beim Anblick der bronzenen Köpfe vieler berühmt gewordener Absolventen der Humboldt-Universität zu Berlin. Ich habe alles versucht und doch kein Mittel gefunden, an dieser elitären Ausbildungsstätte, deren Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus geht, als Student zugelassen zu werden. Auf der Straße vor dem Hauptgebäude weht mir ein kalter Wind entgegen, vermischt mit den Abgasen der Autos. Das Chaos der vielen aneinander vorbei strömenden Fußgänger raubt mir für einen Moment die Orientierung.  Als ich mich wiederfinde, bewege ich mich auf den Alexanderplatz zu, bevor ich in eine kleine Seitenstraße einbiege, in der ich ein gemütliches Cafe kenne, wie mir gerade einfällt.  „Einen Cappuccino mit Sahne, bitte.“

Während ich, gemütlich im Warmen sitzend, das langsam nachlassende Treiben auf der Straße beobachte, fällt mir ein Mann auf, der in seiner ganzen Erscheinung etwas tief in mir berührt, was ich aber nicht ergreifen kann. Der fremdländisch wirkende, vielleicht fünfzig Jahre alte Mannes ist trägt einen verschlissenen, alten Mantel über einer alten Cordhose und einem einfachen Hemd. Sein faltenüberzogenes Gesicht wird von einem silbern schimmernden Bart umrahmt und sein Mund trägt einen Zug, den ich nicht gleich definieren kann, zurückgezogen, abweisend und doch voller Würde und Kraft  Seine Augen ruhen nachdenklich auf mir, mit einem beunruhigenden, durchdringenden Blick. Ich fühle mich nackt. Wer ist dieser Mann? Fast scheint es mir, als ob eine leise, beängstigende Ahnung in meinem Inneren offenbar werden möchte, doch ich kann mich nicht erinnern. Habe ich diesen Mann schon einmal gesehen? Als mein Blick den seinen trifft, umspielt ein seltsames Zucken seinen Mund, bevor er sein Gesicht demonstrativ von mir abwendet, um gedankenverloren in seinen Kaffee zu starren. Seine forschenden Augen lassen mich aufgewühlt zurück. Was will dieser Mann von mir? Kennt er mich, weiß er von meiner Geschichte? Mein Cappuccino dampft nun nur noch wenig, als meine Gedanken zurückschweifen, zurück zu den bewegten Geschehnissen der letzten Monate und Jahre. Welche Umwege und Irrwege hat mich das Schicksal geführt, die ich nie vorausgesehen hatte, geschweige denn geplant, Erlebnisse, deren Fügung und Umstand damals noch niemand hatte ersinnen können. Damals. Es ist leer geworden in dem kleinen Cafe, nur noch wenige Studenten tauschen sich über den neuesten Klatsch des Campus aus, draußen leuchten inzwischen die Straßenlampen und der Verkehr der After-Rush-Hour fließt gleichmäßig die inzwischen wieder zu altem Glanz findende Allee entlang. Es ist kalt. Ich nehme mir eine Zeitung, sie ist von gestern. Neues Gesetz zur Ausweitung der Rasterfahndung. Der Datenschutz wird immer mehr aufgeweicht. Wo geht diese Land nur hin? Ich will unbedingt Jurist werden, um den juristischen Verfall unseres Rechtsstaates aufzuhalten. Viele realisieren nicht, was Schritt für Schritt in den Schaltzentralen der Macht beschlossen wird, kontinuierlich hin zum gläsernen Bürger, zur totalen Überwachung, zur schönen neuen Welt. Ich muss in diese Uni, muss Jura in Berlin studieren, um Zugang zu einer Tätigkeit im Verfassungsschutz zu bekommen.  Mein Handy klingelt – eine Nummer, die ich nicht kenne. Ich gehe jetzt nicht hin, meine Gedanken kreisen immer noch um das Gespräch mit der Sachbearbeiterin. Ob ich heute wohl noch losfahre? Ich kann hier noch nicht weg, es muss einen Weg geben.

Ein Lied geht mir durch den Kopf: Swing low, sweet chariot… ein bitteres Lächeln durchzuckt meine Mundwinkel. Werden wir alle versklavt werden? Während da draußen alles seinen aufgeregt-kindischen Geschäften nachgeht, zerbersten die Elemente unseres Zeitalters in der Konfrontation mit etwas Neuem, Dunklem, Schrecklichen. Wenn dies vorbei ist, wird nichts mehr so sein, wie es einmal war. Was uns gehalten hat, löst sich auf, und zurück bleibt das Zeugnis einer armseligen Zivilisation, die es nicht vermocht hat, ein Sinngefüge zu entwickeln, das über die Erhaltung und Vereinfachung ihrer Existenz hinausgereicht hätte. Nun ist es fast vorbei. Die Dunkelheit hat sich mächtig über unser Land gelegt, und damit über unseren ganzen Globus. Das Unrecht, das hier geschmiedet wird, verbreitet sich wie ein Virus durch alle Kontinente und Nationen, seitdem Deutschland den dauerhaften Vorsitz der indogermanischen Weltgemeinschaft, wie die Vereinten Nationen seit einigen Jahren heißen, übernommen hat.

Kyrie

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , , am 19. Juli 2009 von davidjoach

Der kleine Junge schreit nach Liebe. Sein Gesicht glüht, seine Zunge ist trocken. Wer hört ihn? Wird er überleben? Dieser Existenzkampf wird seine Lebensgeschichte durchziehen, wird sein Leben viele Jahre lang überschatten, vielleicht den Rest seiner  Tage. Vielleicht wird er relative Ruhe finden, so dass er seinen Alltag bewältigen kann. Er schreit  auf, verzweifelt, einsam, sehnend, sterbend. Dunkelheit. Sein Bewusstsein zerbricht, während dämonische Mächte sein Gehirn malträtieren. Sie lachen, machen Witze. Sie sind zufrieden, sie haben eine Aufgabe für die nächsten siebzig Jahre, vielleicht achtzig. Ein erfolgreiches Projekt, lange vorher geplant und vorbereitet. Ihre neue Strategie, die Schlüsselpersonen der jungen Generation durch tiefe Traumatisierungen in ihren ersten Lebensjahren zu binden, wird ihnen einen bedeutenden Sieg bringen. Sie werden die Erde mit Dunkelheit überziehen, dies sind die Schatten der letzten Tage. Die letzte Schlacht wird den wahren Herrscher des Universums hervorbringen, der Gehörnte wird das Kommando übernehmen. Es gibt keinen effektiven Gegenspieler weltweit, die Kirche spielt ein eitles Spiel, konkurrierend und flirtend, eine törichte Demonstration von Stolz und Narzissmus. Das Licht scheint nicht in der Dunkelheit.

Ich bin in Gefahr. Ein tiefes Tal, dunkle Nacht der Seele. Todesschatten. Finsternis. Ich drehe durch. Dunkelheit. Wo ist Licht? Wer führt mich? Ich gehe durch einen dunklen Korridor. Schreie. Wasserplätschern. Metall reibt sich an Metall. Ich falle. Leere. Nichts. Unendlichkeit. Ewiges Eis. Verwirung geht mit mir. Ich bringe Schmerzen zu den Menschen, die ich berühre. Doch es gibt ein Licht, und es scheint in der Dunkelheit. Es gibt ein Licht, und es scheint in der Nacht. Gottes ewiges Licht. Es gibt einen Ort, wo Gott uneingeschränkt herrscht. Das Allerheiligste. Alle Wahrheit und Macht geht von dort aus. Sein Thron ist die einzige Quelle aller Autorität, Wahrheit, Macht, Ordnung. Ewiges Leben ist nur bei ihm. Ein Strom lebendigen Wassers geht von seinem Thron aus, und an diesem Strom wachsen Bäume des Lebens, ihre Früchte bringen Heilung für die Nationen.

Aus Verwirung wird Wahnsinn. Wendepunkt. Kyrie aus Elisium. Die Menschen sind keine Brüder. Eine zerklüftete Landschaft. Mondkrater. Tiefe Dunkelheit, aber man kann alles erkennen. Tod überall. Zerstörung. Wahnsinn. Kein Licht. Wo bin ich? Sie zerfleischen mich. Druiden verschwinden im See. Der Zug. Alle sind uralt. Die Geschichte unseres Kunstlehrers. Spiegel. Der Geisterzug in England. Das Geisterhaus. Der Sarg hebt sich. Ein Mann bricht aus einem Menschen hervor. Sie wird zum Skellet und zerfällt in Staub. Der Mondberg. Die Stimme des Sprechers. Intuition. Krieg der Sterne. Star Gate. Durch die Wand. Furchtbare Fratzen. Kongo. Diamantenstrahl. Wellen erschlagen mich. Ich versinke. Der Sturm. Wateworld. Krieg. Vietnam. Forrest Gump. Der Pianist. Panzer. Sie überollen mich. Schindlers Liste. Auschwitz. Die Ofen. Freitod. Ich gehe. Auf Wiedersehen. Der Stift fällt mir aus der Hand. Es wird dunkel. Endlich Ruhe.

Es gibt keinen Gott. Es gibt auch keine Welt. Es gibt nur das unendliche Nichts. En sof. Ich falle. Der Messias ist gekommen. Ich habe ihn nicht erkannt. Was war vor der Wiedererschaffung? Gab es schon mal einen Fall und ein Gericht? Wer ist Gott? Woher kommt er? Ich muss das Seil festhalten. Ich versinke. Die Wellen schlagen über mir zusammen. Ich atme Wasser. Es explodiert in meiner Brust. Alles ist hell. Rote Lichter. Wo bin ich? Die Berge zerbersten. Ein Zeichen erscheint am Himmel. Die Erde bricht auf und spuckt glühende Lava hervor. Alles wird begraben. Ein durchdringender Ton erklingt, wie ein Horn. Er wird lauter. Die Menschen stürzen sich in die Lavagluten, weil sie den Ton nicht ertragen können. Dann strahlendes Licht. Das Universum öffnet sich. Ein Wagen erscheint und mit ihm viele Reiter. Ein unendliches Heer. Ein Strahl zerschneidet die Erde. Rauch. Es ist vorbei.

Undurchdringliches Dunkel greift um sich. Die Heiligen sind fort. Sie sind mit ihm gegangen. Der Scheol tut sich auf. Ein Salzsee. Unendliche Pein. Wo bin ich? Ein Lied erklingt. Es ist unendlich sanft und wunderschön. Es geht um Liebe, um Reinheit. Neues Leben, die Kinder tanzen. Andere stehen stumm und staunen. Es ist vollbracht. Dann ein Brüllen. Der Löwe von Juda erscheint, ich beuge mich. Er sieht mich an, seine Augen sind sanft. Mein lieber Sohn. Ich weine. Ich bin nicht würdig. Er weiß es und zeigt mir die Male an seinen Händen und Füßen. Sie glänzen golden. Kein Blut mehr. Es ist vor dem Altar. Ein leichter Wind kommt auf. Es ist ruhig, Jesus berührt mich und sagt, komm zum Vater. Wir laufen durch die goldene Stadt. Ein Fluss zieht sich mitten hindurch, das Wasser glänzt. Am Ufer stehen wunderschöne, hohe Bäume. Der Duft erinnert mich an eine lang zurückliegende Zeit, bevor ich geschaffen wurde. Die Straße ist voll von Erlösten. Sie alle ziehen zum Palast des Königs. Sie rufen: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, denn groß und herrlich ist der Tag des Herrn, und er hat seine Feinde vernichtet für immer. Es wird immer heller. Ich spüre eine immer stärker werdende Erregung. Die Atmosphäre ist erfüllt von der Kraft Gottes. Myriaden von Engeln umgeben den Thronsaal. Sie rufen: Heilig, heilig ist der Herr Zebaoth und würdig zu nehmen Macht, Reichtum, Ehre und Kraft. Ich beuge mich und bete an. Der Vater sitzt auf dem Thron. Seine Liebe durchflutet und durchdringt mich. Ich bin geheilt. Ich lebe, doch nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.

Musik II

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , am 18. Juli 2009 von davidjoach

Ich würde gern Musik in Sprache verwandeln, und Sprache in Musik. Aber was wir empfinden, wenn wir ein gutes Stück Musik hören, lässt sich nicht in Worte fassen. Es zeigt uns, dass wir leben. Musik lässt mich meine Menschlichkeit erkennen, und auch die Existenz eines Schöpfers. Wer glaubt, dass Musik im Zuge der Evolution geworden ist, hat noch nie hingehört, wenn ein guter Pianist ein kleines Kinderstück von Bach spielt, geschweige denn die großen Werke der Klavierliteratur oder Improvisationen guter Jazz-Pianisten. Es gibt einen Schöpfer da draußen. Er hat uns seine Visitenkarte dagelassen.

Neue Wege

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , am 18. Juli 2009 von davidjoach

Wir leiden alle. Wir leiden daran, nicht die zu sein, die wir gern wären. Wenn wir dann aber Chancen erhalten, wenn sich plötzlich Türen auftun, dann nutzen wir sie nicht. Wir gehen nicht durch die Türen. Das sind die Momente, in denen wir realisieren, dass wir das, was wir immer zu wollen glaubten, nicht wirklich begehren. Wir haben uns diese Wünsche zugelegt, sie uns umgehängt wie wir einen Mantel anziehen, um ein Bild von der Person zu malen, die wir glauben nicht sein zu können. Doch eigentlich sind wir schon jemand, wir gestehen es uns nur nicht ein. Wir spüren in uns ein Leben, das gelebt werden möchte, eine Person, die erkannt werden möchte, und sperren sie ein. Weit weg von unserem alltäglichen Leben fristet unser Selbst eine einsame und erstickte Existenz, weit genug weg, dass sein Schreien nicht unseren lauten Alltag übertönt. Das ist gut so, denn wenn dieser Schrei lauter wäre, wenn wir gar wagen würden, ihn zu hören, würde er unsere fragile Existenz zerbrechen, unsere sorgsam eingerichtete Realität erschüttern. Wir könnten realisieren, dass wir nicht zufrieden sind, dass wir in unserem tiefsten Inneren nicht glauben, dass es das schon gewesen ist, dass wir dafür gelebt haben. Wir müssen neue Wege gehen. Es ist nicht wichtig, ob es diese Wege schon gibt. Kafka hatte recht damit, dass Wege entstehen, indem wir sie gehen. Wir machen den Fehler, nach Wegen zu suchen anstatt nach Zielen. Und so bleiben wir immer ratlos stehen und irren herum, weil wir nicht weiter wissen. Wir müssen Ziele suchen, und wenn wir dann erkennen, wohin wir wollen, wird der Weg unter unseren Füßen entstehen und fest werden, und rückblickend wird es aussehen, als ob der Weg schon da war. Und während wir diesen Weg gehen, werden wir zu den Menschen, die wir sein sollen.

Sehnsucht

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , , am 18. Juli 2009 von davidjoach

Nach dem Unendlichen

Nach Endlosigkeit

Dem Absoluten

Leben ohne Sehnsucht

Ist nicht Leben

Doch die Seele schreit

Und erstickt an dem Wissen

Dass es keinen Ausweg gibt

Einleitung

Veröffentlicht in Gedanken zu Gottes Reich und seiner Gemeinde mit den Tags , am 18. Juli 2009 von davidjoach

Wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei.

Epheser 5,25-27

Die Gemeinde Gottes geht durch große Erschütterungen. Säkularisierung und Relativismus machen auch vor der Kirche nicht halt. Doch Gott ist der Herr seiner Gemeinde, der Hirte der Schafe. Er führt sie durch große Krisen und Versuchungen, um sie zuzubereiten für den Tag des Heils, für die Hochzeit des Lammes.

Dazu müssen wir uns prüfen und unseren Standpunkt bestimmen. Der Humanismus fordert seinen Tribut, gerade in unserer westlichen Welt. Wo gilt es zu reifen, wo umzukehren? Wir brauchen den Geist Gottes, um Erkenntnis zu gewinnen über uns selbst und gute Entscheidungen zu treffen.

Kämpfe der Kindheit

Veröffentlicht in Mein langer Weg ins Licht - Bekenntnis und Zeugnis mit den Tags , am 18. Juli 2009 von davidjoach

Über meine ersten Lebensjahre weiß ich nicht viel, auch nicht über die Umstände meiner Geburt. Gott hat mir im seelsorgerlichen Gebet viel Heilung geschenkt und mir offenbart, dass er selbst mich angenommen hat, mich gewollt hat und immer bei mir war. Wie sehr ich das als Kind gespürt habe, kann ich nicht genau sagen. Leider kam es noch in meinen ersten Lebensjahren zu einer weiteren Trennungserfahrung. Als ich etwa eins war, musste meine Mutter meinen Vater auf eine Dienstreise begleiten, und traute sich nicht zu, mich mitzunehmen. So ließ sie mich bei der Familie meines Taufpatens. Das muss für mich eine sehr traumatische Erfahrung gewesen sein. Vielleicht war ich verletzlicher, weil ich schon eine pränatale Verlassenheitssituation erfahren hatte. Jedenfalls hörte ich nicht auf zu schreien, tagelang. Meine älteste Schwester war ebenfalls dort, und sie versuchte verzweifelt,  mich zu trösten, doch erst als meine Mutter wieder da war, fand ich Ruhe. Verschlimmert wurde die Situation wohl durch die pädagogischen Überzeugungen meiner Gasteltern, die mich in einem dunklen Zimmer schreien ließen und meiner Schwester dann nicht erlaubten, zu mir zu kommen.

Nach diesem Aufenthalt schrie ich jede Nacht. Mein Vater verbrachte viele Stunden an meinem Bett, um für mich zu beten und mir die Hände aufzulegen. Es dauerte lange, bis dieses Schreien wieder aufhörte. Offensichtlich war etwas in mir kaputtgegangen. Vielleicht begannen in diesem Zeitraum meine Alpträume, entsetzliche Alpträume, an die ich mich noch sehr präzise erinnern kann und die immer identisch abliefen.

Sie kamen jede Nacht. Im ersten Traum verfolgte mich ein Nilpferd in einer industriellen Umgebung. Es sah aus wie ein großes Klärwerk mit einer nach beiden Seiten ansteigenden tiefen Rinne. Wenn das Nilpferd mich erreicht hatte, brach es mir mit seinem Gebiss das Rückgrat. Wenn ich dann erwachte, hatte ich Rückenschmerzen. Im zweiten Traum verfolgte mich ein Dinosaurier. Ich flüchtete ebenfalls, konnte ihm jedoch nicht entkommen und wurde am Ende von ihm gefressen.

Der dritte Traum war der schlimmste. Bis heute kann ich nicht beschreiben, was ich dort gesehen habe, auch wenn ich es so klar vor mir sehe, als ob es gestern gewesen wäre. Der Traum spielte sich in einer vollkommen irrealen Umgebung ab, ohne jegliche menschlichen Lebewesen. Dieser Traum war durchdrungen von einer Atmosphäre existenzieller Angst und einer unmittelbaren Präsenz des Bösen, einer apokalyptischen Finsternis. Vielleicht habe ich damals einen Teil der Hölle gesehen.

Fest steht für mich, dass alle diese Träume dämonischer Natur waren, dämonische Angriffe auf meinen Geist und meine Seele, mit dem Ziel, mich zu brechen. Ich konnte trotz Einsatz aller Willenskräfte nichts dagegen tun, sie zu träumen, bis – ja, bis Gott mich mit etwa zehn Jahren lehrte zu beten. Als ich einmal vor dem Einschlafen dalag mit der panischen Angst, wieder einen dieser Träume zu träumen, hatte ich eine Offenbarung. Ich hatte in meiner Bibel gelesen, dass wir alles empfangen, was wir im Namen Jesu erbitten, und plötzlich erkannte ich, dass diese Träume keine Macht mehr über mich haben konnten, wenn ich Gott darum bat, dass sie aufhören würden. Und das tat ich – ich betete im Namen Jesu, dass ich niemals mehr einen dieser Alptraum hätte, und von diesem Moment verließen mich die Träume und kehrten nie mehr zurück.

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich einige Jahre später, als ich schon die Wirren der Teenagerzeit durchlebte und mich in mancherlei sexueller Irritationen verstrickte. Ich ging in einem Traum durch eine Stadt und traf auf eine Art sexuelles Etablissement. Vor diesem Etablissement standen geistliche Mächte, Dämonen. Sie hatten einen menschlichen Körper und Hundeköpfe. Erst viel später entdeckte ich, dass sie identische Abbilder des ägyptischen Totengottes Anubis waren. Sie baten mich in das Haus hinein, warben um mich, umringten mich. Doch wie aus einer plötzlichen Erkenntnis, ohne zu überlegen, wies ich sie im Namen Jesu von mir und befahl ihnen, für immer aus meinem Leben zu verschwinden. So trollten sie sich beleidigt in eine Seitenstraße von dannen und ich ging geradeaus weiter.

An dieser Stelle zeigt sich der Segen, in einem christlichen Haus aufzuwachsen. Es war mit Sicherheit nicht mein Verdienst, diese geistlichen Erkenntnisse schon in frühem Alter zu haben. Es war Gnade, wie jede Erkenntnis und jedes Charisma, aber Gott konnte mir diese Erkenntnis zur nötigen Zeit zuteil werden lassen, weil ich schon lange vorher in seinen Wegen unterwiesen worden war. Ich hatte in einem protestantisch-pietistischen Umfeld solide biblische Lehre erhalten, unterstützt durch meine Eltern, die mir und meinen Geschwistern die Bibel erzählten und mit uns beteten. Dadurch konnte ich schon in sehr jungen Jahren das erste Mal mein Leben Jesus geben und meine Wiedergeburt erfahren. Das hat mich sicher gerettet, nicht nur geistlich, sondern auch in meiner ganzen Existenz. Ich bin tief überzeugt, dass ich ohne das frühe Eingreifen Gottes schon bald in einer Psychiatrie gelandet wäre, womöglich für mein ganzes Leben. Doch stattdessen begann Gott früh, mir sein Heil zu erweisen und mit seinem Geist ein neues Werk in mir zu tun, ein Werk der Wiederherstellung und Heilung. Allerdings ist Heilung ein langer Weg, und geht nicht ohne Rückschläge und Irrungen vor sich, und wenn dann die Wunden zu heilen beginnen, verschwinden sie nicht, sondern bleiben uns als Narben für immer erhalten.

Meine Heilung vollzog sich in verschiedenen Phasen, beginnend in meiner Kindheit, in der ich auch viele glückliche Momente erleben durfte. Die Bilder zeugen davon, dass ich auch gelacht habe, manchmal fröhlich war. Wir erlebten schöne Familienurlaube, auch zuhause hatte ich manche schönen Erlebnisse mit meinen Geschwistern und den Nachbarskindern. Meine Grundschulzeit verlief sehr unproblematisch, da Gott mich mit großer Begabung gesegnet hatte und mir der Erfolg zufiel. So konnte ich mich auf andere Dinge konzentrieren. Was ich damals alles gemacht habe, weiß ich gar nicht mehr so genau. Eine Beschäftigung war jedenfalls das Tischtennisspielen, dass ich früh entdeckte und mit einigen Schulfreunden exzessiv praktizierte. Meine Eltern machten mir dann zu Weihnachten mit einer eigenen Tischtennisplatte eine große Freude. So verlagerten sich unsere Tischtennisturniere und stundenlangen Rundläufe vom Schulhof in unseren Garten. Eine zweite Leidenschaft war das Spielen kapitalistischer Spiele, zuerst Monopoly, dann diverse Abwandlungen und Nachfolger. Auch durch die Wälder zogen wir, wobei ich aber stets ein bisschen ein Anhängsel war, nicht ganz vorn dabei im Bauen von Hütten und Austragen von Bandenkriegen.

In den späten Grundschuljahren geriet ich dann vielleicht das erste Mal selbstverschuldet in Schwierigkeiten. Ich hatte entdeckt, dass mein Vater sein Portemonnaie in der Küche liegenließ und so nahm ich mir Geld und behauptete dann auf Nachfragen meiner Eltern, ich hätte es beispielsweise im Zigarettenautomat gefunden. Ich „nahm“ – interessant, wie ich es nenne. Was ich tat, war Diebstahl, und mühelos entwickelte ich verschiedene Lügen, um meinen Besitz zu erklären. Diese Fähigkeiten baute ich dann zügig aus und verstrickte mich innerhalb weniger Jahre in diverse Lügen und Betrügereien. Ich begann am Gymnasium die Schule zu schwänzen, indem ich das Mädchen, das unser Klassenbuch führte, dazu brachte, meine zeitweilige Abwesenheit nicht zu vermerken. In diesen Zeiten fuhr ich dann stundenlang mit der S-Bahn durch die Gegend oder kam früher nach Hause mit der Lüge, der Unterricht sei ausgefallen. Schon in der Grundschule stellte ich mir meinen Wecker und stand mitten in der Nacht auf, um meinen Eltern zu erklären, ich sei krank und auf diese Weise zuhause bleiben zu können. Auffällig daran ist, dass mir schon damals die Erledigung meiner täglichen Pflichten sehr schwer fiel und ich eine unüberwindliche Angst davor hatte, in die Schule zu gehen, trotz meiner großen Fähigkeiten in schulischer Hinsicht. Dieses Verhaltensmuster und eine damit oft einhergehende, oder besser gesagt, dem zugrundeliegende Angst vor meinem Alltag und Begegnungen mit Menschen kenne ich bis heute gut. Ich werde später darauf zurückkommen. Doch noch weiter zu meinen Untaten. Ich begann dann Zeitungen auszutragen, um mir etwas dazuzuverdienen. Doch die Arbeit war mir zu anstrengend, und ohne mein Verhalten entschuldigen zu wollen, muss ich sagen, dass ich mich oft schlichtweg nicht in der Lage fühlte, sie zu tun. Es war mir wie ein unüberwindlicher Berg und ich war nicht in der Lage, meinen Widerstand dagegen zu überwinden, geschweige denn, das Austragen komplett zu erledigen. Und so warf ich einen Teil der Zeitungen oder sogar alle in verschiedene Müll-Container und trieb mich herum. Das konnte natürlich nicht ewig gut gehen, und irgendwann flog ich auf. Das war der Moment der Wahrheit. Meine Mutter war so enttäuscht von mir und tieftraurig über mein Verhalten, dass es mir fast das Herz brach, ihren Schmerz zu sehen. Das benutzte Gott, um mich zur Buße zu führen. Ich erkannte, wie weit ich mich schon in meinen jungen Jahren von ihm entfernt hatte, wie dunkel es in meinem Leben geworden war, und ich wusste tief in meinem Herzen, dass ich so nicht leben wollte. Und so bat ich Gott um Vergebung und bat ihn nochmal neu in mein Leben und mein Herz. An diesem Abend reinigte Gott mich von aller meiner Schuld und gab mir ein neues Leben. Ich war erfüllt von unendlicher Freude und tiefem Frieden. Am nächsten Tag bekannte ich meinen Eltern all meine Vergehen, und auch sie vergaben mir. So durchlebte ich vielleicht meine erste Lebenskrise und überwand sie. Triumph ist, wenn Gott unsere Schuld in seine Herrlichkeit verwandelt und wir am Ende mehr haben als wir gehabt hätten, wenn wir nicht schuldig geworden wären.

Mein Urgrund

Veröffentlicht in Mein langer Weg ins Licht - Bekenntnis und Zeugnis mit den Tags am 18. Juli 2009 von davidjoach

Gott hat mich gehalten. Ich wuchs in einer gläubigen Familie auf, die mich gelehrt hat, nicht an der Existenz Gottes zu zweifeln. Was ich lange nicht lernte war, wie man liebt.  Oh, ich glaubte oft zu lieben. Wie habe ich mich eingesetzt für andere, in geistlichen Diensten, auch in persönlichen Beziehungen. Auch Mädchen habe ich geliebt, vor allem eins. Ich habe lange gebraucht, mich von ihr zu lösen. Damals verzehrte ich mich in der Sehnsucht ihr zu gefallen, und für einen kurzen Moment schenkte sie mir ihre Gunst. Das waren die glücklichsten Tage meines Lebens. Und doch erkenne ich nun, nach vielen Jahren, dass es mir bei all dem, sowohl meinen geistlichen Bemühungen als auch meinen Versuchen, Beziehungen zu bauen, meistens um mich ging. Meine Bedürfnisse standen im Zentrum meines Strebens, verdeckt oder offen. Wo ich liebte, mich hingab bis zur Selbstauflösung, geschah es aus dem Drang, als Liebender dazustehen, als einer gesehen zu werden, der sich selbst egal ist, der sich hingibt für Gott und seine Mitmenschen. Es war als ob ich ein Bild malte. Auf dem Bild war ich selbst, und täglich kämpfte ich um die richtigen Farben, Schattierungen. Am Ende sollte etwas vollkommenes stehen, wunderschönes. Jeder sollte erkennen, dass ich mich Gott hingegeben hatte und von ihm verwandelt worden war. Aber hatte ich das überhaupt? Ich zweifle nicht daran, dass es wirklich mein Wunsch war. Ich wollte ihm folgen, ihm dienen, mein Kreuz auf mich nehmen. Doch ich fürchte, das ist mir zu gut gelungen. Am Ende war es wirklich mein Kreuz, das ich trug, es hatte keinen Kontakt mehr mit seinem Kreuz, mit dem, was er schon vollbracht hat. Die Botschaft des Lebens, der Befreiung aus reiner Gnade, hatte mein Herz noch nicht vernommen.

Schon als Kind war ich ein verkrampfter und verängstigter Junge, immer auf der Hut vor dem Leben. Eigentlich hätte ich gern viel gelacht und voll Abenteuerlust mein persönliches Universum erkundet, doch stattdessen lebte ich wie in einem Käfig, umklammert und gefesselt durch meinen Schmerz. Ich kann auch heute noch nicht genau sagen, was diesen Schmerz ausmachte, wo er herkam, aber ich kenne ihn. Und er ist immer noch in mir. Ich kämpfe nicht mehr gegen ihn, wir haben uns versöhnt. Das tut gut, auch wenn es einen neuen Schmerz hervorruft, den Schmerz, der erkennt, dass es keine endgültige Heilung auf dieser Erde gibt. Ich habe lange versucht, den Teil in mir, der so weh tut, zu töten, auf vielerlei Weise. Möglicherweise habe ich mir als Kind so etwas wie Parallelwelten gebaut, in denen ich existieren konnte. Vielleicht ermöglichten mir diese Welten, mich zu entwickeln, ohne an dem Ballast meiner Seele zu zerbrechen. Ich stelle es mir so vor, dass ich immer, wenn ich in einer Welt nicht weiterkam, mir eine neue schuf. Das ist nicht so schlimm, wie es vielleicht klingt. Ich denke, dass wir alle das in gewisser Weise tun, in schwierigen Lebensabschnitten, in Krisen. Ich habe es vielleicht etwas intensiver getan, konsequenter gewissermaßen. Vielleicht bestehen meine Welten noch heute, doch ich brauche sie nicht mehr so dringend. Ich bemühe mich um ein Leben in der Realität. Es fällt mir nicht immer leicht, dort zu leben, doch es erstaunt mich zugleich, wie viel Glück dort verfügbar ist, Glück, das ich anfassen und behalten kann. Ich bin froh darüber, den Weg in die Realität gefunden zu haben, und ich will dort bleiben, auch wenn es mir oft schwer fällt.

Im weiteren Verlauf dieser Texte möchte ich darüber schreiben, wie es dazu kam, dass ich in die Realität zurückgefunden habe, wer dazu beigetragen hat und wie es sich anfühlte. Doch zuerst muss ich versuchen wiederzugeben, wie dieses Leben sich angefühlt hat, dass ich so lange gelebt habe. Am besten trifft es vielleicht den Kern, es als ein Leben im Schatten zu beschreiben, ein Schatten, in dem ich stand, obwohl es genug Licht gab, Wärme, Nähe, die ich hätte erfahren können, wenn ich mich danach ausgestreckt hätte.

Unser aller Lebensreise beginnt lange, bevor sich unser Verstand ausprägt. Zuerst erwacht unser Geist und saugt alles in sich auf, was ihm widerfährt. So speicherte auch ich tief in meinem Persönlichkeitskern die Gegebenheiten meiner Zeugung und meiner Entwicklung im Mutterleib. Meine Mutter war eine verängstigte und scheue Frau, überfordert von ihrer eigenen Lebenswirklichkeit, und dies prägte ihre Reaktion auf mich. Ich war ein Kind zuviel, ungeplant, und die Aussicht darauf überforderte sie zunächst. Ihre Ehe war zu diesem Zeitpunkt sehr angespannt, mein Vater hatte schwere Depressionen.  Und so lehnte sie mich ab. Heute kann ich ihr das verzeihen. Ich weiß, wie hart das Leben sein kann, und habe doch selbst noch keine Kinder aufgezogen. Aber damals konnte ich ihr nicht verzeihen. Ich war jung, vielleicht sechs bis acht Wochen gezeugt, und verstand nur, ich bin falsch, bin zuviel, gehöre nicht in dieses Leben. So zog ich mich in mich selbst zurück und schuf meine erste eigene Welt, eine Welt, in der nur ich lebe und in der folglich Frieden herrscht. Die körperliche Verbindung zu meiner Mutter konnte ich nicht auflösen, aber alles andere durchschnitt ich. Ich lebte in einem Ghetto innerhalb des Körpers meiner Mutter. Später wollte sie sich mit mir versöhnen. Sie hatte mich nach dem ersten Schrecken angenommen und mit Sicherheit sich ganz für mich entschieden. Doch ich konnte mich nicht mehr darauf einlassen, habe sie abgelehnt. Es gab kein Zurück für mich in eine ganzheitliche Verbindung mit meiner Mutter und so auch mit den Menschen, der Welt, dem Hier.

Das hat mich tief geprägt und prägt mich bis heute. Ich bin unabhängig, zu unabhängig. Ich wünsche es mir anders, möchte in Gemeinschaft leben, verbunden mit anderen, doch es strengt mich sehr an, und die Konflikte, die im Alltag entstehen, überfordern mich.  Manchmal frage ich mich, warum mir niemand angesehen hat, wie allein ich bin. Vielleicht bin ich schon als Kind ein sehr guter Schauspieler gewesen. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass niemand versucht hat, an mich heranzukommen. Doch ich konnte mich nie über ein bestimmtes Maß hinaus offenbaren, kann es bis heute nicht. Ich befürchte, meine Umwelt zu überfordern, wenn ich mich fallenlasse, wirklich transparent bin. Wahrscheinlich ist das gar nicht so, aber ich finde nicht den Mut, mich meiner Umgebung ungeschminkt zuzumuten. Und so lebe ich weiter mein Schauspielerleben, mein privates Theaterstück, mit wechselnden Handlungen.

Vorwort

Veröffentlicht in Mein langer Weg ins Licht - Bekenntnis und Zeugnis am 18. Juli 2009 von davidjoach

Zeugnis ablegen von dem, was ich erfahren habe, erlernt und erlitten, nicht um mich selbst zu erhöhen, sondern ihn, der führt und lenkt – das ist mein Wunsch.

Er ist der Einzige, der Erhabene, der alte Gott und Weltenlenker. Er machte mich und stellte mich in diese Welt. Wie ich ihn dafür hasse – manchmal, an den Tagen, an denen ich nicht weiter weiß, an denen ich nicht mehr leben möchte. Und doch – welch eine Gnade, zu leben, zu atmen, zu sein. Wer bin ich, dass ich ihn anklagen dürfte oder mit ihm richten. Ich will ruhig sein vor ihm und ihn walten lassen.

Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich an einen kleinen Jungen, verängstigt manchmal, manchmal allein und immer auf der Suche. Sehnsucht – seit ich denken kann, erfüllt mich dieses Gefühl, dieses Begehren, dieses Wissen um einen Reichtum, den ich selbst nicht kenne und nach dem es mich doch so verlangt. Oft glaube ich zu vergehen an diesem Hunger, an diesem verzehrenden  Verlangen nach Liebe, nach Einheit, nach dem Ewigen. Ich wünschte, das würde irgendwann einfach verschwinden, nachdem es immer schwächer wird, wie die letzten Sonnenstrahlen an einem Sommerabend, und dann kommt die kühle Nacht. Aber es ist nicht so, die Sehnsucht bleibt, und der Schmerz, und inzwischen glaube ich, es wird auch noch so sein, wenn ich eines Tages alt bin, meine Schlachten geschlagen habe und zur Ruhe gekommen bin.

Wir können unser Herz nicht beschwichtigen, es weiß, was es weiß. Mein Herz blutet schon lang, und ich kann die Blutung nicht stoppen. Ich sehe die Leser vor mir, die mir jetzt Selbstmitleid diagnostizieren. Ich verstehe das. Doch es ist einfach, einem Menschen zu sagen, er solle sich nicht leid tun. Wer ehrlich ist, muss sich aber eingestehen, dass er eigentlich sagt, die Person solle aufhören zu leiden. Aber wie soll sie das? Einfach so? Wir können aufhören zu hoffen, wenn wir nicht mehr glauben, dass unser Schmerz gestillt werden kann. Aber wenn die Hoffnung stirbt, stirbt die Seele. Dann bleiben wir eine Hülle, die ihre Aufgaben erledigt, die im besten Fall funktioniert, aber was ist das dann noch für ein Leben?

Doch nicht der Klage sollen diese Texte gewidmet sein, sondern dem Zeugnis. Zeugnis abzulegen darüber, wie Gott mich getragen hat, geführt und gesegnet. Dieses Zeugnis wird das Bekenntnis meiner Schuld einschließen müssen. Diese beiden sind verflochten ineinander, seine Gnade und meine Sünde, zusammen führt das zu dem, was wir sind, was wir werden. Wir werden verletzt, getroffen, geschlagen und zugleich aufgebaut, verändert, verwandelt. Es ist nicht leicht, dieses Leben auf diesem geschundenen Planeten. Das ist nicht allein unsere Schuld. Das Weltendrama ist älter, es reicht zurück in die Vorzeit, in die Urgründe der kosmischen Auseinandersetzungen, lange vor der Erschaffung der Erde und des Menschen. Wir sind nicht das Zentrum dieser Auseinandersetzung, zumindest nicht ursächlich. Zuerst ging es um die Gemeinschaft Gottes in sich selbst. Aus seiner Majestät erwuchs eine Umgebung geistlicher Wesen, die sich ausbreiteten in einem sich ausdehnenden Universum. Sie huldigten der Allmacht, bis es zur Rebellion kam und zum Fall. Vielleicht war das erst der Auslöser für die Erschaffung der Menschheit, die Suche Gottes nach einem neuen Gegenüber. Doch der Gegenspieler mischte mit, der Mensch fiel, und seitdem leiden wir. Wir müssen leiden, um uns zu erinnern, wo wir herkommen und wofür wir eigentlich geschaffen waren, für ein Leben in Herrlichkeit, für eine andere Atmosphäre, eine geistliche, heilige. Wir sind tief gefallen, sind alle entstellt bis ins Innerste unseres Seins. Doch die Erinnerung ist noch da, die Erinnerung an unseren Ursprung und unser Ziel, und mit ihr die Sehnsucht. Wir werden wieder vereint werden mit dem Ewigen, mit der Dreieinigkeit Gottes, und auch miteinander und der Schöpfung, und danach verlangt unser Herz. Nichts kann diese Sehnsucht erfüllen bis zu dem Tag, an dem wir es erfahren, wieder eingegliedert zu werden in die Einheit Gottes. Alles wird erfüllt werden in dem Sohn, und wir werden unsere Kronen niederlegen vor dem Lamm und geheilt sein, endlich geheilt, und mit uns die Welt. Das wird der endgültige Triumph Gottes über das Böse sein, über den Widersacher, dessen Fratze uns entgegenbrüllt aus dem Lärm dieser Tage und dem Stolz der Mächtigen. Dann wird alles vollendet sein und der Friede groß.

Wenn ich nun die Niederschrift meiner Wanderungen und Irrungen beginne, so wird dies möglicherweise auch das Fehlverhalten anderer berühren, anderer, die sich bemüht und alles für mich gegeben haben, was sie hatten. Deshalb möchte ich zu Beginn betonen, wie unendlich dankbar ich für die Menschen bin, die mein Leben berührt und mich geprägt haben. Insbesondere meinen Eltern sei an dieser Stelle gedankt. Sie sind selbst wund und kämpfen ihren eigenen Lebenskampf. Dennoch haben sie sich aufgeopfert für mich, sind immer zu mir gestanden, haben mich versorgt und auch gelehrt. Ihr größter Verdienst ist mit Sicherheit, dass sie mich von klein auf unterwiesen haben in den Dingen Gottes und auf den Knien für mich eingestanden sind. Das kann ich ihnen nie vergelten, der Herr wird das tun in der Ewigkeit. Wenn im Verlauf dieser Schrift einzelne Unzulänglichkeiten anderer durchscheinen mögen, so in der tiefen Erkenntnis, dass ich mir den tiefsten Schaden selbst zugefügt habe, durch meine Rebellion, mein Unabhängigkeitsstreben, ja meine Abkehr von Gott und seinen Geboten. So stehe ich vor Gott und meiner Umwelt mit der Bitte um Vergebung und der Suche nach Integration.

II.

Veröffentlicht in Das Tal am 11. Juli 2009 von davidjoach

Er saß da und starrte auf die Wand. Einer dieser typischen Abende, an denen sich alles um ihn verfinsterte. Als ob eine Krake ihn überwältigt hätte und alles Leben aus ihm heraussaugte, so dass nichts mehr blieb, keine Freude, kein Sinn, nur Leere. Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern als ordnende Kraft. Unvermittelt erinnerte er sich an diesen Satz aus seiner Kindheit, den er oft gelesen und gehört hatte, stets in der tiefen Gewissheit, dass dieser Gott, der ewige Schöpfer, um ihn wusste, ja ihn liebte, ihn ganz persönlich kannte und einen guten Plan für sein Leben hatte. Die Worte klangen fad, jetzt im Rückblick auf sein Leben, dass er versucht hatte zu ergreifen, es an sich zu reißen, aber es nie halten konnte. Stets war es ihm entglitten, hatte seinen tiefsten Hoffnungen gespottet und ihm just dann einen neuen grausamen Streich gespielt, wenn gerade etwas in ihm begonnen hatte zu atmen, auszubrechen aus der Dunkelheit und Verzweiflung, die sein Leben von Anfang an geprägt hatte. In einer grausam zufälligen Abfolge von Ereignissen war ihm alles genommen worden, was ihm wertvoll war, seine Familie, seine Freunde und zuletzt seine Träume. Jetzt gab es nichts mehr in ihm, was nach Dingen strebte, die normalerweise ein Leben ausmachen, Beziehungen, Erfolg, Unterhaltung. Er hatte sich arrangiert, in der Tiefe hatte etwas in ihm resigniert, nun war er froh, wenn seine paar Schafe genug abwarfen, um damit am Markt das eintauschen zu können, was er zum Überleben benötigte. Mehr brauchte er nicht, er war zufrieden, wenn er allein sein konnte, abends in seiner Hütte, wenn alles still war. Er mochte die Menschen nicht, wollte nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Er hatte sich entschieden, seine Pflicht zu tun und versuchen zu überleben. Und vielleicht würde er in der Stille noch etwas herausfinden, was ihn ausmachte, was dieses Tal ausmachte, worum es ging. In dieser Gleichheit des Alltags, einer runden strukturierten Umwelt, der organisierten Leere hatte er Ruhe gefunden, und er war sehr zufrieden. Das Feuer im Kamin brannte nur noch leicht, John saß in seinem Sessel und schlummerte ein.

I.

Veröffentlicht in Das Tal am 11. Juli 2009 von davidjoach

Der Mann, der langsam durch das langgezogene Tal lief, war einfach gekleidet, aber nicht schlampig. Sein unrasiertes Gesicht sah ausgemergelt aus, aber um seinen Mund lag ein sanfter Zug, und wer ihn länger betrachtete, spürt, dass er vor ihm nichts zu fürchten hatte. Er wirkte sehr müde, und seine Augen schweiften unruhig umher, doch er war allein im Tal, außer einem Buntspecht, den man klopfen hörte und einigen kleineren Vögeln, die umherflogen und nach Futter suchten. Es war eine unangenehme Atmosphäre, und John wünschte sich, er wäre nicht noch so spät zu dem langen Weg in sein Dorf aufgebrochen. Die Dämmerung lag schon stark über dem Tal und bald würde er nichts mehr sehen können. Dann konnte er nur noch sehr langsam laufen, denn eine Taschenlampe hatte er nicht. Es war ein langer Arbeitstag gewesen und er war froh, dass es vorüber war. Dies war um diese Uhrzeit kein guter Weg mehr, aber der kürzeste, um von dem Weideplatz seiner Schafe zurück in seine kleine Wohnung zu laufen. Dieses Tal ist verrufen, man sagt, schreckliche Dinge seien hier schon geschehen. Manchmal, wenn er mit seinen Geschwistern schon ins Bett gegangen war und noch nicht schlief, hatten die Erwachsenen in der Stube sich ausgetauscht, und die Alten erzählten von Schreien, die sie nachts gehört hätten, und von Tieren, die verschwunden waren, und sie sagten, es gäbe Opferungen, gelegentlich seien sogar Kinder verschwunden. John wusste nicht, was er davon halten sollte. Er war ein einfacher Mann, der gern an das Gute im Menschen glaubte, und wenn er etwas nicht sicher wissen konnte, fühlte er sich unwohl in seinem Herzen. Warum konnte nicht alles wie in der Mathematik klar geregelt sein? Eins und eins ist zwei, egal wie ich mich fühle. Doch manchmal, wenn er spät abends im Bett lag, und die Vergangenheit sich selbst verherrlichend in seinem Kopf herumtobte und ihn aufgewühlt und wund zurückließ, dann spürte er, dass irgendetwas falsch gelaufen sein musste, und er erinnerte sich, wie er als Kind auf der kleinen Holzbrücke am Fluss saß, um Kieselsteine ins Wasser zu schleudern, in der Hoffnung, dass sie noch einige Male auf der Wasseroberfläche aufsetzten, bevor sie endgültig untergingen. In diesen Tagen hatte er oft geweint, aus Schmerz, aus Enttäuschung oder auch einfach so. Leider hatte das irgendwann aufgehört, so wie man aufhört, in die Hose zu scheißen. Wenn er jetzt traurig oder verzweifelt war, gab es nichts, was er tun konnte, außer zu warten, bis es wieder etwas besser ging. Doch das passierte selten, und seit Neuestem hatte er sich einige Flaschen mit reinem Whiskey in seiner Wohnung deponiert, um den immer stärker werdenden Depressionen zu begegnen.

Prolog

Veröffentlicht in Das Tal am 11. Juli 2009 von davidjoach

Kalt pfeift der Wind durch die schon stark entlaubten Bäume. Der Herbst hält mit unwiderstehlicher Kraft seinen Einzug in dem ruhigen Bergdorf des österreichischen Hinterlandes. Es ist dunkel, der kleine Ort hat sich schlafen gelegt. Der Blick eines älteren, grauhaarigen Mannes mit einem müden Gesicht sucht die kleine Ansiedlung trüber Steinhäuser ab und fällt schließlich auf ein dreckiges, kaum leserliches Schild, das am Zaun eines grauen, unscheinbaren Häuschen hängt: Nr. 5, Jaqueline Crombalte. Rasch durchschreitet der kurz vor seiner Pensionierung stehende Allgemeinarzt den kleinen Vorgarten, weicht einer liegenbliebenen Papiertüte mit Abfall aus und betritt einen kleinen, halbdunklen Raum. Der ihm entgegenschlagende, durchdringende Gestank lässt den eigentlich hartgesottenen Mediziner unwillkürlich seine Hand an die Nase führen, während seine Augen das dunkle Eck zu durchdringen suchen, aus dem ein beständiges, heiseres Wimmern zu hören ist. Nachdem seine Augen sich an das nur von einer schwachen Glühbirne durchbrochene Halbdunkel gewöhnt haben, erkennt er eine relativ junge Frau, die zusammengekrümmt auf einer alten Matratze liegt und, wie man auf den ersten Blick erkennen kann, starke Wehen erleidet. Ein kalter Schauer durchläuft den alten  Mann und das Gefühl einer Vorahnung, die ihn zur Flucht drängt, als ob sie ihm zuriefe, diesen Ort zu verlassen, ohne zu zögern, ohne zu überlegen, zum Wohl der ganzen Menschheit.

Gedanken zu Hemingway

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , , am 11. Juli 2009 von davidjoach

Ein alter Mann liebt das Meer. Er lebt vor ihm, mit ihm, zu ihm hin und weiß doch nicht zu leben. Er beugt sich, krämt sich, quält sich. Am Ende erkennt er, es ist egal. Egal wie er lebt, egal wenn er scheitert. Das Leben fordert seinen Tribut, holt ihn ein, uneinholbar, unbeugsam. Er findet zurück, wird wach und richtet sich auf.

Erlösung

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , , , am 10. Juli 2009 von davidjoach

Als ich aus dem Flugzeug steige, spüre ich die Hitze. Sie trifft mich, obwohl ich mich auf sie eingestellt hatte. In meiner Heimatstadt war es kühl gewesen, hier ist es heiß. Ich bin froh, dass ich hier bin.  Lange schon habe ich diese Reise geplant, nun ist es so weit.

Ich rufe ein Taxi, lasse mich hinausfahren aufs Land. Verschiedene Dörfer ziehen an mir vorbei, sie werden immer kleiner. Alte Hütten, verfallen, notdürftig repariert, ein armes Land. Einige schmutzige Kinder spielen auf der Straße, die Hitze ist drückend, vor ihren Hütten sitzen einige alte Männer und trinken Tee.

Als ich eine ganze Weile kein Dorf mehr gesehen habe, lasse ich den Fahrer anhalten. „Hier wollen sie aussteigen? Sind sie sich sicher?“ „Ja, das ist gut. Genau richtig.“

Der Fahrer lässt mich zurück, nun bin ich allein. Ich atme tief durch. All der Druck fällt von mir ab. Ich verlasse die Straße und laufe. Laufe weit, sehr weit. Es wird Abend. Der Himmel ist klar, die Hitze lässt nach.  Der Boden ist trocken. Ich treffe auf eine verfallene Hütte, die mir gefällt. Hier lege ich mich nieder und schlafe.

Gepäck habe ich keines, ich brauche es nicht mehr. Ich habe mich entschieden loszulassen. An meine Vergangenheit denke ich nicht mehr. Hier werde ich bleiben.

Als ich erwache, setze ich mich auf. Ich schließe meine Augen, spüre den leichten Wind, höre mein Herz klopfen. Ich sitze einfach da und werde ruhig. Ich lausche meinem Atem. Ich schlafe wieder ein, erwache.

Ich bin nun hungrig. Mein Magen schmerzt. Die Wasserflasche ist leer, gegessen habe ich nichts mehr seit dem Flug. Ich werde schwächer. Jeden Morgen laufe ich zu einem naheliegenden Bach und fülle meine Flasche auf.

Nach einigen Tagen spüre ich den Hunger nicht mehr. Ich kann mich nun konzentrieren, meine Gedanken sind klar wie lange nicht. Wie ein Film zieht mein Leben an mir vorüber, meine Kindheit, meine Jugend, das Studium, die Jahre im Beruf. Es war alles sinnlos. Ich erkenne, wie nutzlos all mein Mühen und Streben war. Nun kann ich loslassen.

Ich beginne zu fantasieren, sehe noch einmal die Geister meines Lebens. Farben ziehen vor meinen Augen vorbei. Den Gang zum Fluss schaffe ich nicht mehr. Nun ist es bald vorbei. Es wird immer heller, ich sehe den Himmel, Engel singen und tanzen. Endlich bin ich frei, der Schmerz meines Lebens schweigt.

Einige Wochen später treffen Wanderer auf die alte Hütte und finden mich. Ich liege da, von Ungeziefer übersät, stinkend. Von meinem Gesicht strahlt ein großer Friede. Ich bin heimgegangen.

Hoffnung

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , , am 10. Juli 2009 von davidjoach

Ach, wie müsig ist’s zu darben ob vergangnem Leid!

Blick empor und sieh: Der Sturmwind weht nicht mehr.

Wenn Wolken auch noch ziehen,

so ist der Himmel doch schon hell.

Die lange Nacht, so dunkel sie auch war, hat ihre Kraft verloren

Und Leben – welch Triumph – bricht sanft sich seine Bahn.

Zersetzung

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags , am 10. Juli 2009 von davidjoach

Ich bin ein Wanderer zwischen den Welten. Das tropfende Blatt macht mich wahnsinnig. Nichts geht weiter. Ich stecke fest im Morast ewiger Verdammnis, einem wilden Treib des Baumes, der mir hätte Leben spenden sollen. Das Schicksal verkehrte mir diese göttliche Vorsorge in würgende Religiösität, die mir den Atem nimmt. Ich schnappe nach Luft und fülle mein Inneres mit ätzendem Gas. Anklage und Furcht zersetzen die geheimen Kammern meines Herzens, ich bin verwundet und blute doch nicht. Niemand sieht meinen Ausfluss, der eitrige Schleim meiner unterdrückten Gefühle und Wünsche fließt gleichmäßig durch die Bahnen meiner zerstörten Hoffnungen. Wer bin ich, dass ich mich beklage? Lethargie macht sich breit und erstickt den stummen Schrei meiner Seele unter dem trockenen Staub der Vergänglichkeit. Alles ist in Ordnung. Längst hat der sich aufbäumende, verzweifelt kämpfende Anwalt meines aufgestörten Seins einen faden Waffenstillstand geschlossen mit den Legaten der sich weiterentwickelnden Vergangenheit, die nicht ausgelöscht werden kann und will. Der Lohn ist mein Leben, der Tribut ist es auch, und der bleierne Nachgeschmack durchdringt mich mit zyankalischer Gewalt. Ich wandere weiter. Die Wüste ist mein Zuhause, meine Bestimmung kenne ich nicht. Ich bin zerrissen, suche Heil  in dem Du und finde keine Antwort. Meine Sehnsucht zerfrisst mein Streben nach Höherem und verhindert den Sturz in die Tiefe. Wer gibt mir zu essen?

Tödlicher Spaß

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , , am 10. Juli 2009 von davidjoach

Da gehen sie hin

die Mächtigen dieser Stadt

sich zu amüsieren

verblendet in ihren Sinnen

Tod lauert an jeder Ecke

doch er bringt Spaß.

Und daneben die Verlierer

der bettelnde Jugendliche

kein Heim er verkauft eine Straßenzeitung

der einsame Rentner in der Wüste der Betonblocks

so viel Leid

ungezählte Tränen auf den Straßen dieser Stadt

Schreie die im Lärm der schweren Limousinen verhallen

eine lautlose Klage

ungehört - welch ein Glück!

Denn wir vergnügen uns

Kleider machen Leute

eine eigene Welt

auf Luftsäulen gebaut

wer ist ärmer?

Dämmerung

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags am 10. Juli 2009 von davidjoach

Die Stadt – ein Moloch? Leben im 21.Jahrhundert. Postmoderne. Die Zeit, in der nichts mehr galt, ist lange vorbei. Urbanes Leben, alles ist steril, bis auf den Wohnsitzlosen, der mich um etwas Kleingeld bittet. Konstablerwache, ich warte auf die S-Bahn. Neben mir sitzt ein junges Mädchen, sie trägt ein schulterfreies Top. Ich will sie nicht ansehen, sonst denkt sie, ich will etwas von ihr. Der Mann auf der anderen Bank sieht südländisch aus, vielleicht vom Balkan, ein Serbe oder ein Kroate. Er trägt Hose, Hemd und eine Krawatte, die er viel zu lange gebunden hat, dazu einen Rucksack, zur Zeit ein sehr populärer Stilbruch. Trotz seines mürrischen Gesichts sieht er eigentlich ganz nett aus, oder ist er ein Terrorist? Man weiß es nicht heutzutage. Man weiß überhaupts nichts mehr. Wussten die Menschen früher mehr oder war es schon immer so, dass man nachher ahnt, was man vorher hätte wissen müssen? Die Frau, die sich eben neben mich gesetzt hat, irritiert mich. Eine Muslimin, von ärmlichem Aussehen, mit einem grünen Kopftuch. Jetzt kann ich sie beobachten, in der gerade eingefahrenen S-Bahn, wo sie zwei Sitzgruppen weiter Platz genommen hat. Eine unheimliche Frau, mit faltigem Gesicht. stechenden Augen. Diese abgemergelte Gestalt, die lange und schlanke Nase, ein harter Zug um ihre Lippen. Jetzt tritt ein Ausdruck von Schmerz in ihr Gesicht. Diese Frau ist lebendig tot, und doch scheint sie viel vom Leben zu verstehen.

Als Junge wollte ich gerne sein wie Old Shatterhand. Doch wir können nicht zurück zu diesen Zeiten. Die Savannen des 21.Jhd. sind die Städte – unendliche Steppengebiete, wild und unbarmherzig. Wer hier verendet, um dessen Leiche scharen sich keine Geier, er wird still fortgeschafft. Eine Randnotiz im Abendblatt ehrt seine Existenz. Der gepeinigte Schrei der Stummen verhallt in der Geschäftigkeit der Todgeweihten – verurteilt zum langsamen Dahindarben im eigenen Käfig, vergoldet im Glanz einer verbildeten Zivilisation.

Die Abenddämmerung zieht hinauf, bald wird es Nacht. Wer achtet auf die länger werdenden Schatten? Siehst Du den Schöpfer, Welt? Was, wenn er sich verborgen hält? Was, wenn er sein Gesicht abgewandt hat von diesem sterbenden Planeten? Sie gruben und gruben. Ein Grab in den Lüften. Gebenedeit? Baruch haba, b‘schem adonai. Und wenn er es wirklich tut? Das Öl ist verflossen, es hat sich vermischt mit dem Blut der Verendeten. Es ist über uns, denn wir haben geschwiegen.

Musik

Veröffentlicht in Kurze Prosa mit den Tags am 10. Juli 2009 von davidjoach

Das Gras verweht sein Grün in den Bächen der Geschichte. Es kommt nicht zurück, es verblüht einzeln im Klang seiner Zeit. So ist auch der Mensch, nur seine Fußspuren bleiben zurück – seine Musik. Sein Weinen, sein Lachen, all sein Erlebtes hallt wieder in den Liedern, den Klängen, den Harmonien. Traurige Harmonien, fröhliche, mehr bleibt nicht. Mehr nicht? Es ist sehr viel, es genügt.

Ein Blatt

Veröffentlicht in Lyrik mit den Tags , , am 9. Juli 2009 von davidjoach

Regentropfen

Es perlt glitzern

Eine leichte Last

Es beugt sich aber bricht nicht

Dehnbar

Anpassungsfähig

Wie lange

Wo ist die Sonne

Geschaffen zum Leben

Du hältst durch

Was bleibt

Durchbruch

Schleier

Wohin

Mut zu leben

Lebensatem

Nicht noch mal

Heute Jerusalem

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